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Sicherheitsschließblech nachrüsten und Tür gegen Aufhebeln schützen

  • vor 3 Tagen
  • 8 Min. Lesezeit

78.436 Wohnungseinbrüche verzeichnete die Polizeiliche Kriminalstatistik 2024 in Deutschland. Über 56 Prozent aller Wohnungseinbrüche erfolgen durch Aufhebeln. In Mehrfamilienhäusern war die Wohnungseingangstür in mehr als der Hälfte aller Fälle der Einstiegspunkt.


Die gute Nachricht steckt in einer anderen Zahl. 45,7 Prozent aller Einbrüche scheiterten bereits beim Versuch. Der Täter kam nicht rein. Mechanische Sicherungen wirken. Eine der günstigsten und als Basisschutz wirksamsten ist ein Bauteil, das kaum jemand kennt. Es sitzt in der Türzarge, ist von außen kaum sichtbar und kostet weniger als 50 Euro. Es heißt Schließblech.



Was ein Schließblech ist


Stell dir das Schloss als eine Hand vor, die zugreift. Das Schließblech ist der Haken an der Wand, an dem sich die Hand festhält. Wenn der Haken aus Pappe ist, kann die Hand noch so kräftig sein.


Das Schließblech sitzt in der Türzarge. Es hat Aussparungen für die Falle und den Riegel des Einsteckschlosses. Die Falle ist der federnd gelagerte Schnapper. Sie hält die geschlossene Tür in Position. Der Riegel fährt beim Abschließen aus dem Schloss in die Zarge.


Bei den meisten Wohnungstüren in Deutschland ragt der Riegel 20 Millimeter aus dem Schloss. Dieses Maß ist in der Norm für Einsteckschlösser festgelegt und gilt als Mindeststandard für Wohnungseingangstüren. Diese 20 Millimeter Eingriff im Zargenholz sind alles, was die Tür auf der Schlossseite gegen Aufhebeln sichert.


Bei Türen mit Mehrfachverriegelung greifen zusätzlich Bolzen oder Schwenkhaken in eine verlängerte Schließleiste ein. Das Prinzip bleibt gleich. Jeder Verriegelungspunkt braucht ein stabiles Gegenstück in der Zarge.


Nicht jede Mehrfachverriegelung bietet den gleichen Schutz. Entscheidend ist, wie tief die Verriegelungselemente ins Gegenstück eingreifen. Rollzapfen, wie man sie von Fensterbeschlägen kennt, greifen nur wenige Millimeter ein. Pilzkopfzapfen verhaken sich und erschweren das Aufzwängen. Bolzenriegel und Schwenkriegel greifen deutlich tiefer und bieten den höchsten Widerstand. Die Polizei warnt auf k-einbruch.de ausdrücklich vor reinen Rollzapfen-Verriegelungen, weil sie nicht tief genug in die Schließbleche eingreifen.


Querschnitt durch Tür und Zarge mit Bemaßung von Riegel, Schließblech und 12 mm Restholz als Schwachstelle


Was beim Aufhebeln einer Wohnungstür passiert


Ein Einbrecher setzt einen Kuhfuß im Türspalt auf Schlosshöhe an. Er hebelt. Die Hebelwirkung vervielfacht seine Armkraft. Das Holz der Zarge rund um die Riegeltasche gerät unter extremen Druck. Es splittert und bricht. Das Schließblech wird mitsamt Holzstücken aus der Zarge gedrückt. Die Tür springt auf. Rahmen und Türblatt sind an vielen Stellen gesplittert.


Das Schadensbild nach einem Hebeleinbruch an einer Wohnungstür ist immer ähnlich. Schloss und Schließblech sind mit größeren Holzteilen aus der Zarge herausgebrochen. Das ist kein leises, spurloses Aufhebeln wie bei einem Fenster mit Rollzapfen. Es ist rohe Gewalt gegen Holz.



Welche Kräfte dabei wirken


Ein handelsüblicher Kuhfuß ist 600 Millimeter lang. Die flache Spitze passt in den Türspalt. Der Einbrecher steckt sie ca. 30 Millimeter tief ein und hebelt. Das Hebelgesetz vervielfacht seine Armkraft um den Faktor 19.


Ein 100 Kilogramm schwerer Mann erzeugt mit einer Hand ca. 30 Kilogramm Zugkraft am Griff. Am Angriffspunkt an der Tür werden daraus ca. 5,6 Kilonewton. Das entspricht ungefähr 570 Kilogramm Kraft, konzentriert auf den Bereich rund um den Riegel.


Auf der Gegenseite sitzt der Riegel in der Zarge. Eine handelsübliche Holzzarge für Wohnungstüren hat im Falzbereich auf Schlosshöhe einen Gesamtquerschnitt von ca. 28 bis 30 Millimeter. Der Riegel greift ca. 16 Millimeter tief ins Holz ein. Zwischen Riegeltasche und Zargenoberfläche bleiben nur ca. 12 Millimeter Fichtenholz. Dieser dünne Steg muss die gesamte Kraft aufnehmen.


Ohne Schließblech hält der Holzsteg ca. 2,4 Kilonewton stand, bevor er abspaltet. Das sind ca. 245 Kilogramm. Der Kuhfuß bringt das 2,3-fache auf. Ein kräftiger Mann schafft das in Sekunden.


Mit einem Standard-Schließblech aus 2 Millimeter Stahl und drei kurzen Holzschrauben steigt die Widerstandskraft auf ca. 3,1 Kilonewton (ca. 317 Kilogramm). Das Blech hält das Holz zusammen und verteilt die Kraft besser. Aber der Kuhfuß bringt immer noch das 1,8-fache auf. Drei bis vier Hebelansätze reichen.


Mit einem Sicherheitsschließblech aus 3 Millimeter Stahl und drei Mauerankern im Vollziegel erreicht die Konstruktion ca. 6,0 Kilonewton (ca. 608 Kilogramm). Die Maueranker übertragen die Kraft am Zargenholz vorbei direkt ins Mauerwerk. Der Kuhfuß kommt gegen diesen Widerstand nicht mehr an. In einer Betonwand steigt die Kapazität auf über 20 Kilonewton, weil jeder einzelne Maueranker im Beton ca. 6 Kilonewton Querlast aufnimmt.


Balkendiagramm Kräftevergleich: Kuhfuß 5,6 kN gegen Standard-Schließblech 3,1 kN und Sicherheitsschließblech 6,0 kN

Die Berechnung beruht auf dem Hebelgesetz, den Festigkeitskennwerten von Fichtenholz nach europäischer Normung, Schraubentragfähigkeiten nach Herstellertabellen und zulässigen Dübellasten nach der Fischer-Lastentabelle ETA-07/0121.



Welche Schließbleche es gibt


Flachschließblech. Die einfachste Bauform. Eine flache Metallplatte auf der Stirnseite der Zarge. Materialstärke 2 bis 3 Millimeter. Das ist die Standard-Erstausstattung vieler Zimmertüren. Für Wohnungseingangstüren bietet es keinen nennenswerten Einbruchschutz.


Winkelschließblech. L-förmig gebogen. Es wird auf der Stirnseite und der Falzfläche der Zarge befestigt. Etwas stabiler als das Flachschließblech, aber allein ebenfalls kein Einbruchschutz. Typisch für Wohnungseingangstüren ab Werk.


Sicherheitsschließblech mit Mauerankern. Die entscheidende Aufrüstung. Über die Zarge hinaus wird das Blech mit Schwerlastdübeln direkt im Mauerwerk verankert. Das bekannteste Produkt ist das ABUS SSB400 mit 3 Millimeter Stahl, drei Mauerankern und 300 Millimeter Länge. Die Maueranker ragen durch die gesamte Zarge hindurch über 150 Millimeter tief ins Mauerwerk. TÜV geprüft einbruchhemmend.


Schließleiste für Mehrfachverriegelungen. Deutlich länger als Standard-Schließbleche. Mit mehreren Aussparungen für die verschiedenen Verriegelungspunkte. Diese Schließleisten sind immer herstellerspezifisch. Beim Austausch muss die exakte Typbezeichnung der vorhandenen Verriegelung bekannt sein.


Im Sicherheitssegment dominiert ABUS mit dem SSB400. Im Fachhandel bietet Schnegel die größte Sortimentstiefe. IKON liefert Sicherheitsschließbleche mit besonders langen Schwerlastdübeln und Schrägverschraubung.


Vergleich der vier Schließblech-Typen: Flach, Winkel, Sicherheit mit Mauerankern und Schließleiste


Warum die Zarge oft das eigentliche Problem ist


Das Schließblech kann nur so sicher sein wie die Zarge, in der es sitzt.


Viele Zargen in Bestandswohnungen sind ausschließlich mit PU-Schaum in der Maueröffnung fixiert. Ohne jede mechanische Verbindung zum Mauerwerk. In diesem Fall hilft das beste Sicherheitsschließblech nichts. Die gesamte Zarge lässt sich aus der Laibung drücken.

Stell dir vor, du verankerst einen massiven Haken in Styropor. Der Haken ist perfekt. Aber die Wand gibt nach.


Stahlzargen haben dieses Problem seltener. Sie werden beim Einbau mit Zementmörtel in die Maueröffnung eingesetzt und sind dadurch fest mit dem Mauerwerk verbunden. Bei Holzzargen dagegen ist PU-Schaum als alleinige Fixierung keine Seltenheit, sondern in vielen Bestandswohnungen der Normalfall.

Bei Holzzargen werden Sicherheitsschließbleche diagonal durch die Zarge ins Mauerwerk verschraubt. Die Maueranker leiten die Kraft direkt in den tragenden Mauerkörper. Bei alten Zargen können ausgerissene Schraubenlöcher und weiches Holz die Befestigung erschweren.


Bei Stahlzargen ist das Schließblech ab Werk als Ausstanzung direkt in die Zarge integriert. Ein separates Schließblech zum Tauschen gibt es nicht. Spezielle Reparaturschließbleche für Stahlzargen sind jedoch im Fachhandel erhältlich. Die Dübel müssen durch die Stahlzarge hindurch ins Mauerwerk geführt werden.


Wer ein Sicherheitsschließblech nachrüsten will, sollte zuerst prüfen, ob die Zarge mit Rahmendübeln im Mauerwerk verankert ist. Die Zierbekleidung der Zarge abnehmen und nachsehen, ob Dübel ins Mauerwerk gehen. Hohler Klang beim Klopfen deutet auf reine Schaumfixierung hin.


Kraftfluss beim Aufhebeln: Standard-Schließblech versagt bei 3,1 kN, Sicherheitsschließblech leitet 6,0 kN ins Mauerwerk


Was die Polizei empfiehlt


Die Polizeiliche Kriminalprävention benennt das Schließblech auf k-einbruch.de als Schwachstelle und gibt klare Empfehlungen.


Verlängerte, mehrfach im Mauerwerk verankerte Schließbleche mit einer Materialstärke von mindestens 3 Millimetern. Die Falzluft, also der Abstand zwischen Türblatt und Zarge auf Schlossebene, soll höchstens 5 Millimeter betragen.


Die Polizei betont auch, dass Einzelmaßnahmen nicht reichen. Schloss, Schließblech und Rahmenkonstruktion müssen zusammenpassen. Ein Sicherheitsschließblech an einer nur eingeschäumten Zarge bringt wenig. Ein hochsicherer Zylinder ohne Sicherheitsschließblech ebenfalls nicht.


Die Sicherheit einer Tür ist immer nur so stark wie ihr schwächstes Bauteil. Der beste Schutzbeschlag und der teuerste Schließzylinder nützen nichts, wenn das Schließblech mit zwei kurzen Schrauben in einer weichen Holzzarge steckt. Jede Sicherheitsmaßnahme an der Tür hängt am Ende an diesem einen Bauteil.


Für den Idealfall empfiehlt die Polizei eine geprüfte einbruchhemmende Tür der Widerstandsklasse RC 2. Diese Klasse widersteht einem Gelegenheitstäter mit Schraubendreher, Zange und Keil für drei Minuten. Die Prüfnorm verlangt ca. 6 Kilonewton statische Belastung am Schlossbereich. Genau den Wert, den ein Sicherheitsschließblech mit drei Mauerankern im Vollziegel erreicht.



Was ein Sicherheitsschließblech kostet


Standard-Schließbleche kosten 3 bis 15 Euro. Sicherheitsschließbleche mit Mauerverankerung liegen bei 20 bis 65 Euro. Die professionelle Montage kostet 80 bis 150 Euro.


Das ABUS SSB400 liegt je nach Variante zwischen 30 und 65 Euro. Schnegel bietet Sicherheitsschließbleche ab 20 Euro. IKON liegt preislich in einem ähnlichen Bereich wie ABUS.


Zum Vergleich. Ein Kastenzusatzschloss kostet 80 bis 120 Euro. Ein Panzerriegel 150 bis 500 Euro. Das Sicherheitsschließblech ist die günstigste Einzelmaßnahme am kritischsten Punkt.


Der KfW-Kredit 159 für altersgerechtes Umbauen fördert Einbruchschutz-Nachrüstungen mit bis zu 50.000 Euro zinsgünstigem Darlehen pro Wohneinheit. Der Antrag muss vor Baubeginn über die Hausbank gestellt werden.


Checkliste fünf Prüfpunkte: Materialstärke, Befestigung, Falzluft, Zargenverankerung, Zustand


Brandschutztüren. Hier darf nichts verändert werden


An Brandschutztüren darf das Schließblech nicht verändert werden. Kein Austausch, keine Vergrößerung, keine zusätzlichen Bohrungen.


Der DIBt-Katalog für zulässige Änderungen an Feuerschutzabschlüssen fordert, dass bei Schlossänderungen keine Veränderungen am Schließblech vorgenommen werden dürfen. Jede Abweichung führt zum Verlust der Brandschutzzulassung. Strafrechtlich droht nach § 145 Abs. 2 Nr. 2 StGB Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren. Versicherungsrechtlich kann der Versicherungsschutz im Brandfall entfallen.


Ein Grund dafür ist der Intumeszenzstreifen im Türblatt. Er quillt bei Hitze auf und dichtet die Fuge zwischen Türblatt und Zarge hermetisch ab. Veränderungen am Schließblech oder zusätzliche Bohrungen können diesen Mechanismus stören.


Wer an einer Brandschutztür Einbruchschutz will, braucht eine Multifunktionstür. Diese vereint Brandschutz und Einbruchschutz ab Werk. Hörmann bietet die H3 OD Serie als T30 (nach aktueller Norm EI₂ 30-C) mit RC 2 bis RC 4. Schörghuber liefert Kombinationen aus T30 bis T90 mit RC 2 und RC 3 in Holzoberflächen.



Recht für Mieter und Eigentümer


Seit dem 1. Dezember 2020 stärkt § 554 BGB das Recht des Mieters auf Einbruchschutz. Der Vermieter muss die Erlaubnis für bauliche Veränderungen erteilen. Die Kosten trägt der Mieter. Bei Auszug besteht Rückbaupflicht. Originalteile aufbewahren.


Ein defektes Schließblech ist Sache des Vermieters nach § 535 BGB. Ein Upgrade auf ein Sicherheitsschließblech ist eine bauliche Veränderung und braucht die Erlaubnis.


In der WEG ist die Wohnungseingangstür Gemeinschaftseigentum. Ein Upgrade braucht einen Beschluss der Eigentümerversammlung. Aber § 20 Abs. 2 Nr. 3 WEG stuft Einbruchschutz als privilegierte Maßnahme ein. Die Gemeinschaft kann beim Wie mitbestimmen, aber das Ob nicht blockieren.



Fünf Prüfpunkte für die eigene Tür


  1. Materialstärke. Ist das Blech dünner als 3 Millimeter an einer Wohnungseingangstür? Dann reicht es nicht.

  2. Befestigung. Sind nur zwei oder drei kurze Schrauben ohne Mauerverankerung sichtbar? Dann hält es einem Hebelversuch nicht stand.

  3. Falzluft. Den Abstand zwischen Türblatt und Zarge auf der Schlossseite prüfen. Mehr als 5 Millimeter machen selbst ein Sicherheitsschließblech weniger wirksam.

  4. Zargenverankerung. Die Zierbekleidung abnehmen und prüfen, ob Dübel ins Mauerwerk gehen. Hohler Klang beim Klopfen deutet auf reine Schaumfixierung hin.

  5. Zustand. Verbogenes Blech, ausgerissene Schraubenlöcher oder Rost zeigen Verschleiß. Falle und Riegel müssen sauber in die Aussparungen einrasten.


Checkliste fünf Prüfpunkte: Materialstärke, Befestigung, Falzluft, Zargenverankerung, Zustand

Wer unsicher ist, kann die kostenlose Beratung der kriminalpolizeilichen Beratungsstellen nutzen. Die Berater kommen auf Wunsch nach Hause und bewerten die gesamte Türsituation. Termine und Standorte unter k-einbruch.de/beratungsstellensuche.




Häufige Fragen zum Schließblech


Was ist ein Schließblech?

Ein Schließblech ist ein Metallstück in der Türzarge. Es nimmt Falle und Riegel des Türschlosses auf und hält die Tür geschlossen.

Warum ist das Schließblech eine Schwachstelle?

Standard-Schließbleche sind nur 2 bis 3 Millimeter dünn und mit kurzen Schrauben in der Zarge befestigt. Ein Kuhfuß erzeugt ca. 5,6 Kilonewton Hebelkraft. Das Standard-Schließblech hält nur ca. 3,1 Kilonewton.

Was kostet ein Sicherheitsschließblech?

Sicherheitsschließblech mit Mauerverankerung kostet zwischen 20 und 65 Euro. Die professionelle Montage kostet 80 bis 150 Euro.

Darf ein Mieter das Schließblech austauschen?

Mieter haben seit 2020 nach § 554 BGB einen Anspruch auf Erlaubnis für Einbruchschutzmaßnahmen. Die Kosten trägt der Mieter. Bei Auszug besteht Rückbaupflicht.

Darf man das Schließblech einer Brandschutztür austauschen?

Nein. An Brandschutztüren darf das Schließblech nicht verändert werden. Jede Veränderung führt zum Verlust der Zulassung und kann strafrechtliche Folgen haben.

Wie viel Kraft hält ein Sicherheitsschließblech aus?

Ein Sicherheitsschließblech mit drei Mauerankern im Vollziegel hält ca. 6,0 Kilonewton (ca. 608 Kilogramm). Das übersteigt die Hebelkraft eines Kuhfußes von ca. 5,6 Kilonewton.



Quellen und weiterführende Literatur


Polizei und Prävention


Hersteller und Produkte


Normen und Prüfung


Holztechnik und Befestigung


Recht

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