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Türkette oder Sperrbügel. Was die Polizei wirklich empfiehlt

  • 15. Apr.
  • 10 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 29. Apr.

Es klingelt an der Tür. Angeblich vom Wasserwerk, angeblich von der Polizei, angeblich der Enkel. Die Polizeiliche Kriminalstatistik 2024 zählt 743.472 Betrugsfälle in Deutschland. Darunter 6.656 Enkeltrick- und Schockanrufe. In Baden-Württemberg verursachten solche Delikte allein 18,4 Millionen Euro Schaden. Das Bayerische Landeskriminalamt registrierte im ersten Quartal 2024 über 5.500 Anzeigen mit einem Schaden von über sechs Millionen Euro. Die Polizei geht von einer hohen Dunkelziffer aus, weil viele Opfer aus Scham keine Anzeige erstatten.

 

Über 95 Prozent dieser Versuche scheitern. Sie scheitern, wenn die Tür nicht einfach aufgemacht wird. Die Polizei wiederholt seit Jahren dieselbe Empfehlung auf k-einbruch.de, dem offiziellen Portal der Polizeilichen Kriminalprävention: Erst durch den Türspion schauen, dann nur mit vorgelegtem Sperrbügel öffnen.

 

Dieser Artikel erklärt, warum die Türkette dafür nicht reicht und was besser funktioniert.



Türkette und Sperrbügel. Was der Unterschied ist


Stell dir die Türkette vor wie ein Fahrradschloss aus dem Supermarkt. Der Sperrbügel ist wie ein Bügelschloss vom Fachhandel. Beide halten die Tür einen Spalt offen. Aber nur einer hält einem Tritt stand.

 

Eine Türkette besteht aus einer kurzen Stahlkette zwischen Türblatt und Rahmen. Sie wird von innen eingehängt und soll ein Spaltöffnen der Tür ermöglichen. Keine Türkette wurde jemals von einer unabhängigen Prüfstelle getestet, von einer Versicherung anerkannt oder von der Polizei als Einbruchschutz empfohlen. Die Türkette ist reiner Anwesenheitsschutz.

 

Ein Sperrbügel ist ein Stahlbügel, der in ein Kastenzusatzschloss integriert ist. Eines der bekanntesten Modelle ist das ABUS 7030. Dieses Schloss vereint zwei Funktionen in einem Produkt. Im verriegelten Zustand sichert es die Tür mit einem Riegel, der einem Druckwiderstand von über einer Tonne standhält. Im Sperrbügel-Modus hält es die Tür spaltbreit offen, genau wie eine Kette, aber deutlich stabiler. Kastenzusatzschlösser mit Sperrbügel können von unabhängigen Prüfstellen getestet, von der Versicherungswirtschaft anerkannt und von der Polizei empfohlen sein. Was genau hinter diesen Prüfungen steckt, erklärt der nächste Abschnitt.

 

Der Unterschied in einem Satz: Eine Türkette schützt nur, solange niemand dagegen drückt. Ein Sperrbügel am Kastenzusatzschloss schützt auch dann, wenn jemand dagegen tritt.


Vergleich zwischen Türkette und Sperrbügel am Kastenzusatzschloss mit Gegenüberstellung von DIN-Prüfung, VdS-Anerkennung und polizeilicher Empfehlung


Warum die Polizei Sperrbügel empfiehlt und Türketten nicht


K-einbruch.de ist das offizielle Portal der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Die Empfehlung dort ist eindeutig: Die Polizei empfiehlt den Sperrbügel als Türspaltsperre und beschreibt Zusatzschlösser mit Sperrbügel als sicherheitserhöhend. Das Wort Türkette kommt in den Nachrüstempfehlungen nicht vor.

 

Das Bayerische Landeskriminalamt gibt halbjährlich Herstellerverzeichnisse für geprüfte und zertifizierte einbruchhemmende Produkte heraus. Türketten sind dort nicht gelistet. Das LKA Nordrhein-Westfalen empfiehlt im Rahmen der Kampagne „Riegel vor" ein gutes Zusatzschloss mit Sperrbügel. Laut dem Forschungsbericht des LKA Nordrhein-Westfalen zum Wohnungseinbruch (2017) scheitern rund 43 Prozent aller Einbrüche im Versuchsstadium. Bei Objekten mit mechanischen Sicherungen liegt die Abwehrquote bei über 80 Prozent.

 

Auch abschließbare Türketten ändern daran nichts. Das Schloss an der Kette arretiert nur die Kette selbst. Es schafft keinen Verriegelungspunkt gegen Aufhebeln. Türketten funktionieren erst bei einer bereits geöffneten Tür als Spaltbegrenzung. Eine geschlossene Tür schützen sie nicht. Genau das ist der Grund, warum sie in keiner polizeilichen Empfehlungsliste auftauchen und warum sie von keiner unabhängigen Prüfstelle getestet werden.



Was es am Markt gibt. Produkte nach Bedarf



Für den einfachen Anwesenheitsschutz (7 bis 50 Euro)


Wer seine Tür nur spaltbreit öffnen will, um mit einem Besucher zu sprechen, liegt bei Türketten richtig. Gegen Gewalt schützen sie nicht, aber sie erfüllen ihren Zweck als Spaltbegrenzung.

 

Einfache Türketten gibt es ab ca. 14 Euro. Die Burg-Wächter TK 64 (11 bis 17 Euro) und die ABUS SK69 (14 bis 20 Euro) sind die günstigsten Markenprodukte.

 

Die ABUS SK66 (20 bis 25 Euro) ist eines der beliebtesten Modelle mit gehärteter Stahlkette. Alle erfordern Bohren in Türblatt und Rahmen.

 

Abschließbare Türketten kosten 47 bis 77 Euro. Die ABUS SK78 (47 bis 60 Euro) lässt sich von außen mit dem Schlüssel bedienen. Die Burg-Wächter VTK 90 (55 bis 77 Euro) hat eine extrahart gehärtete Kette mit Kantenschutz.




Für Mietwohnungen ohne Bohren am Türblatt oder Rahmen (25 bis 79 Euro)


Mieter, die kein Loch ins Türblatt bohren wollen, haben mehrere Optionen. Alle funktionieren über einen Sicherungsring am Türgriff. Nur an der Wand braucht es wenige Dübel.

 

Die ABUS SK89 (27 bis 35 Euro) ist die einfachste Variante ohne Schloss. Die ABUS SK99 (48 bis 60 Euro) ist abschließbar und erreicht auf dem Vergleichsportal testsieger.de 81 von 100 Punkten.

 

Die Burg-Wächter VTK 910 (ca. 55 Euro) ist die Burg-Wächter-Kette ohne Bohren am Türblatt, ebenfalls abschließbar.

 

Die IKON 9M34 von ASSA ABLOY ist die am vielseitigsten konfigurierbare Türgriffkette am Markt. Es gibt sie ohne Schloss (ab ca. 42 Euro), mit eigenem Schloss und zwei Schlüsseln (ab ca. 72 Euro) oder mit Profilhalbzylinder für den Einbau in eine bestehende Schließanlage (ab ca. 138 Euro). Stand April 2026.




Für echten Einbruchschutz mit Sperrbügel (21 bis 110 Euro)


Kastenzusatzschlösser mit Sperrbügel bieten das, was keine Türkette kann: Einbruchschutz bei geschlossener Tür und Anwesenheitsschutz bei geöffneter Tür in einem Produkt.

 

Das ABUS 7030 (ab ca. 80 Euro) ist das beliebteste Kastenzusatzschloss in Deutschland. Druckwiderstand über eine Tonne, massiver Vollstahl-Ovalriegel, zweitourig schließend (zwei Schlüsselumdrehungen, der Riegel fährt damit voll aus). In der Praxis tausendfach bewährt.

 

Der IKON 9132 von ASSA ABLOY (69 bis 85 Euro ohne Zylinder) zeigt mit einer optischen Anzeige in grün und rot, ob die Tür verriegelt ist. Massiver Messing-Riegel, ebenfalls zweitourig. Er lässt sich gleichschließend in IKON- und KESO-Schließanlagen integrieren und nimmt jeden Profilhalbzylinder auf.

 

Der Burg-Wächter BS 2 (70 bis 80 Euro) ist gleichzeitig Tür- und Fenstersicherung mit drei Funktionen: totale Verriegelung, Spaltsicherung über den Sperrbügel und komplette Öffnung. Polizeilich empfohlen.

 

Das BASI KS 500 (ab ca. 30 Euro) ist die günstigste Option. Funktional solide, aber ohne unabhängige Prüfung.

 

Ein Kastenzusatzschloss verriegelt sich nicht von selbst. Der Riegel muss jedes Mal aktiv mit dem Schlüssel oder Drehknauf umgedreht werden. Wer das vergisst, hat keinen Einbruchschutz. Der Sperrbügel funktioniert nur bei Anwesenheit und nur wenn er bewusst eingelegt wird.


Wer wissen will, welches dieser Produkte den Versicherungsschutz sichert und welche Bedingungen dafür gelten, findet die vollständige Einordnung im nächsten Abschnitt.


Produktübersicht Türketten und Kastenzusatzschlösser mit Sperrbügel nach Sicherheitsstufe und Preisbereich, Stand April 2026


Was die Zertifizierungen in der Praxis bedeuten


Dieser Abschnitt ist für alle, die wegen Versicherung oder KfW-Förderung genau wissen müssen, welches Produkt welche Anerkennung hat. Wer das nicht braucht, kann ihn überspringen.

 

In Deutschland bestimmen drei Systeme, ob ein Produkt als Einbruchschutz gilt. Jedes hat einen anderen praktischen Nutzen.

 

  • Die VdS-Anerkennung sichert den Versicherungsschutz. Werden hohe Werte versichert, kann das Versicherungsunternehmen bestimmte mechanische Sicherungsmaßnahmen oder VdS-anerkannte Produkte fordern. Immer mehr Versicherungen verlangen eine VdS-Anerkennung bei Sicherheitstechnik. Produkte mit VdS-Zertifizierung können niedrigere Versicherungsprämien oder besseren Versicherungsschutz ermöglichen.


    In der Praxis heißt das: Wer nach einem Einbruch Geld von der Versicherung will, steht mit VdS-Produkten sicherer da. Manche Versicherer lehnen die Leistung ab, wenn die Sicherung nicht dem vereinbarten Standard entspricht.

 

  • Die DIN 18104-1 ist die Voraussetzung für die KfW-Förderung. Stell dir das wie den TÜV für Zusatzschlösser vor. Ein unabhängiges Labor montiert das Produkt auf eine genormte Holzplatte und versucht, es mit Werkzeug aufzuhebeln. Besteht das Produkt, darf es sich DIN-geprüft nennen. Der Kredit 159 „Altersgerecht Umbauen" fördert Einbruchschutzmaßnahmen mit bis zu 50.000 Euro.


    Bedingung: Das Produkt muss nach DIN 18104 geprüft sein und die Montage muss ein Fachbetrieb durchführen. Eigenleistung ist nicht förderfähig.

 

  • Das K-EINBRUCH Level ist die polizeiliche Mindestempfehlung. Es reicht von Level C (unzureichend) über Level B (polizeiliche Mindestempfehlung) bis Level A (Premium). Level B bedeutet: geprüft nach DIN 18104, polizeilich empfohlen, in der Herstellerliste der Landeskriminalämter geführt. Das gibt eine klare Orientierung beim Kauf: Was die Polizei empfiehlt, funktioniert in der Praxis.

 

Wer kein Vermögen versichert, keine KfW-Förderung braucht und einfach seine Tür sicherer machen will, kann auf die Zertifizierungen verzichten und trotzdem ein gutes Produkt kaufen. Das ABUS 7030 ist das beste Beispiel dafür.



Welche Produkte welche Anerkennung haben


Das offizielle Herstellerverzeichnis der Polizei listet alle Nachrüstprodukte, die nach DIN 18104-1 geprüft und zertifiziert sind. Dieses Verzeichnis wird vom Bayerischen Landeskriminalamt im Auftrag der Kommission Polizeiliche Kriminalprävention geführt und halbjährlich aktualisiert. Wer dort steht, hat K-EINBRUCH Level B. Wer nicht dort steht, hat es nicht. Das Verzeichnis ist öffentlich zugänglich unter k-einbruch.de/herstellersuche und als PDF beim Polizei Sachsen (Stand März 2025).

 

Von den vier Kastenzusatzschlössern mit Sperrbügel in diesem Artikel stehen zwei im Verzeichnis und zwei nicht.

 

  • Der IKON 9132 steht im Herstellerverzeichnis als "Kastenriegelschloss mit Sperrbügel" unter ASSA ABLOY Sicherheitstechnik GmbH. Er ist DIN 18104-1 geprüft und zertifiziert. Der 9132 wird standardmäßig ohne Außenzylinder geliefert, nur mit Drehknauf innen. In dieser Konfiguration ist er bereits DIN-geprüft und erfüllt damit die Voraussetzung für die KfW-Förderung. Wer zusätzlich die VdS-Anerkennung für die Versicherung braucht, rüstet einen Außenzylinder und die Schutzrosette IKON 1086 oder 1087 nach. Die Rosette schützt den Zylinder gegen Ziehen und Aufbohren. Ohne diese Rosette ist ein VdS-Prüfkriterium nicht erfüllt. Wie man einen Schließzylinder in gutem Zustand hält, erklärt der Artikel Schließzylinder pflegen und warten.

 

  • Der Burg-Wächter BS 2 steht im Herstellerverzeichnis als "Fenster- und Türsicherung mit Sperrbügel". Er ist DIN 18104-1 geprüft, VdS/ECB-S-zertifiziert und erreicht K-EINBRUCH Level B. Er nutzt ein eingebautes Präzisionsschließwerk mit eigenen Schlüsseln. Ein separater Profilzylinder ist nicht nötig und nicht vorgesehen.

 

  • Das ABUS 7030 steht nicht im Herstellerverzeichnis. Es hat weder eine DIN 18104-1 Prüfung noch eine VdS-Anerkennung. Das bestätigen die offizielle ABUS-Montageanleitung und die ABUS-Website. Das heißt nicht, dass das ABUS 7030 schlecht ist. Es hält über eine Tonne Druckwiderstand, erreicht ABUS Security Level 10 von 10 in der Türsicherheit und ist das beliebteste Kastenzusatzschloss in Deutschland. Aber für die Versicherung und die KfW-Förderung fehlen die Zertifizierungen.

 

  • Das BASI KS 500 steht ebenfalls nicht im Herstellerverzeichnis. Es hat keine DIN-Prüfung, keine VdS-Anerkennung und kein K-EINBRUCH Level.

 

Sowohl die DIN 18104-1 Prüfung als auch die VdS-Anerkennung sind freiwillige Verfahren. Der Hersteller muss jede Produktvariante einzeln bei einer akkreditierten Prüfstelle einreichen, die Prüfkosten tragen und die Zertifizierung regelmäßig erneuern lassen.

 

ABUS hat die Zertifizierung für die Modelle ohne Sperrbügel (7010, 7025) durchgeführt, aber nicht für die Modelle mit Sperrbügel (7030, 7035). Das ist eine Geschäftsentscheidung, kein technischer Mangel.

 

Wer DIN und VdS braucht und gleichzeitig einen Sperrbügel will, greift zum IKON 9132 oder zum Burg-Wächter BS 2.


Vergleichstabelle der Zertifizierungen von vier Kastenzusatzschlössern mit Sperrbügel nach DIN 18104, VdS-Anerkennung und K-EINBRUCH Level


Mietrecht und Eigentum



Mietwohnung


Wer in einer Mietwohnung lebt, hat mehrere Optionen mit unterschiedlichem Aufwand.

 

Türgriffketten ohne Bohren am Türblatt (ABUS SK89, SK99, Burg-Wächter VTK 910, IKON 9M34) brauchen keine Genehmigung. Der Sicherungsring am Türgriff hinterlässt keine Spuren. Die Wandbefestigung mit wenigen Dübeln gilt als vertragsgemäßer Gebrauch nach ständiger Rechtsprechung (BGH, 25.11.1992, Az. VIII ZR 189/91).

 

Türketten mit Bohren (4 Schrauben in Tür und Zarge) erfordern eine Genehmigung, die der Vermieter in der Regel nicht verweigern darf, wenn kein sachlicher Grund vorliegt.

 

Kastenzusatzschlösser fallen unter § 554 BGB. Mieter haben einen Anspruch auf Zustimmung. Mehr zur Rechtslage und weiteren Nachrüstoptionen im Artikel Einbruchschutz in der Mietwohnung.

 

Der Vermieter darf nur bei Unzumutbarkeit ablehnen. Die Praxisregel formuliert Volker Rastätter vom Münchner Mieterverein klar: Zusatzschlösser dürfen eingebaut werden, aber beim Auszug muss alles in den ursprünglichen Zustand zurück.


Eigentümergemeinschaft (WEG)


In der WEG wird es komplizierter. Der BGH hat am 25.10.2013 (Az. V ZR 212/12) entschieden, dass die Wohnungseingangstür zwingend Gemeinschaftseigentum ist. Das umfasst alles: Türblatt, Zarge, Schloss, Beschläge, Scharniere, den Anstrich auf beiden Seiten. Selbst wenn die Teilungserklärung etwas anderes sagt, ändert das nichts. Die sachenrechtliche Zuordnung ist zwingend.

 

Jede Veränderung an der Tür braucht einen Beschluss der Eigentümerversammlung. Seit der WEG-Reform 2020 hat allerdings jeder Eigentümer einen gesetzlichen Anspruch auf Gestattung von Einbruchschutzmaßnahmen nach § 20 Abs. 2 S. 1 Nr. 3 WEG. Türketten, Sperrbügel und Kastenzusatzschlösser fallen zweifelsfrei darunter.

 

Das bedeutet in der Praxis: Der Eigentümer hat einen Anspruch darauf, dass die Maßnahme gestattet wird. Aber er muss den formalen Weg gehen. Eigenmächtiges Handeln ohne Beschluss ist rechtswidrig und kann einen Rückbauanspruch auslösen. Die Kosten trägt der antragstellende Eigentümer selbst.


Entscheidungsbaum zur Genehmigungspflicht bei Türsicherungen für Mieter und WEG-Eigentümer nach § 554 BGB und § 20 WEG


Montage. Worauf es ankommt


Die Montage steht und fällt mit dem Türmaterial. Nicht jede Tür trägt jede Sicherung.

 

Massivholztüren ab 40 mm Stärke sind die optimale Grundlage. Schrauben greifen tief und gleichmäßig im Material.

 

Röhrenspantüren sind bedingt geeignet. Ihr Kern besteht aus einer durchbohrten Spanplatte, die stabiler ist als ein Wabenkern. Schrauben greifen in den Stegen zwischen den Röhren, die Haltekraft liegt aber unter Vollholz. ABUS empfiehlt bei weniger stabilen Türen zwei Zusatzschlösser, eines ober- und eines unterhalb des Einsteckschlosses.

 

Wabenkern-Türen (hohle Zimmertüren) sind für Verschraubungen ungeeignet. Im Inneren befindet sich nur gestärkte Pappe zwischen zwei dünnen Deckplatten von je 3 bis 4 mm. Schrauben reißen bei Belastung mitsamt der Deckplatte aus.

 

Furniertüren sind nur so gut wie ihr Kern. Eine Furniertür mit Vollspaneinlage eignet sich wie Massivholz. Eine Furniertür mit Wabenkern nicht. Vor dem Kauf einer Nachrüstsicherung muss daher die Mittellage geprüft werden.

 

Stahltüren bieten hohe Stabilität, erfordern aber Metallbohrer und angepasste Vorbohrdurchmesser.

 

Kunststofftüren bestehen häufig aus Hohlkammerprofilen. Ohne Metalleinlage bieten sie zu wenig Auszugswiderstand für Sicherheitsschrauben. ABUS sieht die Montage zwar vor, empfiehlt aber zusätzliche Befestigungsmittel wie den Befestigungsanker BA oder Durchgangsverschraubungen.

 

Glastüren sind für Türketten und Zusatzschlösser ausgeschlossen. Sie können weder durchbohrt noch verschraubt werden. Hier funktionieren nur die wandmontierten Türgriffketten.

 

Der häufigste Montagefehler ist die Befestigung mit ungeeignetem Material. Wer die mitgelieferten Schwerlastdübel durch einfache Spreizdübel ersetzt oder zu kurze Schrauben nimmt, verliert den Druckwiderstand. ABUS liefert bei der 7000er-Serie Schwerlastdübel und 50 bis 60 mm Holzschrauben mit. Diese Teile gehören genau so verbaut wie vorgesehen.

 

Das Schloss reißt bei einem Tritt sonst mitsamt der Befestigung aus der Wand.


In vielen Mehrfamilienhäusern sind Wohnungseingangstüren als Feuerschutztür (T30) zertifiziert. Bohrungen im Türblatt und in der Zarge verändern das geprüfte Gesamtelement. Wer auf Nummer sicher gehen will, lässt die Montage vom Fachbetrieb durchführen und dokumentieren.

 

Für Kastenzusatzschlösser empfehlen Polizei und Hersteller die Fachmontage. Die Kosten liegen bei 185 bis 249 Euro inklusive Material und Anfahrt. Die Montagezeit beträgt 30 bis 60 Minuten.



Ampelgrafik mit sieben Türmaterialien für die Montage von Kastenzusatzschlössern. Grün und geeignet sind Massivholz und Stahltüren. Gelb und bedingt geeignet sind Röhrenspan, Furniertüren und Kunststofftüren. Rot und ungeeignet sind Wabenkern-Türen und Glastüren.


Häufige Fragen



Bringt eine Türkette überhaupt etwas?

Ja, als Anwesenheitsschutz. Sie erlaubt, die Tür einen Spalt zu öffnen und mit einem Besucher zu sprechen. Gegen Einbruchversuche bietet sie keinen nennenswerten Widerstand. Keine Türkette hat eine DIN-Prüfung, VdS-Anerkennung oder polizeiliche Empfehlung als Einbruchschutzprodukt.

Was ist besser, Türkette oder Sperrbügel?

Der Sperrbügel am Kastenzusatzschloss. Er bietet dieselbe Spaltöffnungsfunktion wie eine Türkette, hält aber einem deutlich höheren Druckwiderstand stand. Zusätzlich sichert er die Tür im verriegelten Zustand gegen Einbruch.

Darf ich in einer Mietwohnung einen Sperrbügel anbringen? 

Ja. Mieter haben nach § 554 BGB einen Anspruch auf Zustimmung zu Einbruchschutzmaßnahmen. Der Vermieter darf nur bei Unzumutbarkeit ablehnen. Beim Auszug besteht eine Rückbaupflicht. Für Türgriffketten ohne Bohren am Türblatt ist keine Genehmigung nötig.

Was kostet ein Kastenzusatzschloss mit Sperrbügel? 

Das BASI KS 500 gibt es ab ca. 30 Euro. Den ABUS 7030 ab ca. 80 Euro. Der IKON 9132 kostet ab ca. 69 Euro ohne Zylinder und den Burg-Wächter BS 2 gibt es ab ca. 70 Euro. Stand April 2026.

Empfiehlt die Polizei Türketten?

Nein. Türketten werden auf k-einbruch.de nicht als empfohlene Einbruchschutzprodukte aufgeführt und sind in keinem Herstellerverzeichnis der Landeskriminalämter gelistet.

Kann ich eine Türkette ohne Bohren anbringen?

Ja. Die ABUS SK89 (ab ca. 27 Euro), ABUS SK99 (ab ca. 48 Euro), Burg-Wächter VTK 910 (ca. 55 Euro) und IKON 9M34 (ab ca. 42 Euro) hängen per Sicherungsring am Türgriff. Nur die Wandbefestigung braucht wenige Dübel. Ideal für Mietwohnungen. Stand April 2026.



Quellen und weiterführende Literatur


Behörden und Polizei


Normen und Prüfstellen


Hersteller und Fachhändler


Recht


Verbrauchertests und Vereine

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