Die Türzarge als Schwachstelle. Warum der Rahmen oft wichtiger ist als die Tür
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Aktualisiert: vor 7 Stunden
Ein Hochsicherheitsschloss in einer Zarge, die nur mit Bauschaum im Mauerwerk klebt, ist wie ein Vorhängeschloss am Lattenzaun. Das Schloss hält. Der Zaun reißt. Der Einbrecher greift nicht das Schloss an. Er greift daneben.
Genau das passiert in der Praxis. 2024 zählte die Polizeiliche Kriminalstatistik in Deutschland 78.436 Wohnungseinbrüche. Die Kölner Studie der Polizei Köln aus dem Jahr 2017 ist bis heute die einzige publizierte Modus-Operandi-Erhebung zu Einbrüchen in Deutschland. Ergebnis bei Türen. 62,3 Prozent aller Angriffe sind Hebelangriffe auf der Schlossseite, 5,6 Prozent auf der Bandseite. Zusammen rund 68 Prozent. Jeder dieser Hebelangriffe endet in der Zarge.
Die Polizeiliche Kriminalprävention fasst das in einem Satz zusammen. Der Türrahmen muss mechanisch stabil mit dem Mauerwerk verbunden sein. Einschäumen allein reicht dafür nicht.
Dieser Artikel erklärt, warum die Zarge so oft die Schwachstelle der ganzen Tür wird, wie sie aufgebaut ist, welche Wege zur Nachrüstung technisch und rechtlich möglich sind und wo die Grenzen liegen.

Warum die Zarge so oft die Schwachstelle ist
Drei Ursachen erklären, warum die Zarge in der Praxis so oft versagt.
Die Zarge ist gar nicht mechanisch im Mauerwerk verankert, sondern nur geschäumt. Standard im Neubau seit den 1980er Jahren, weil wirtschaftlich. Für Einbruchschutz ungeeignet, solange keine Rahmendübel nachgerüstet sind.
Die alte Stahlzarge aus den 1950er bis 1970er Jahren ist zwar eingemörtelt, aber die Eckverbindungen sind nur verschweißt, und der Mörtel hat über Jahrzehnte Haarrisse bekommen. Bei einem Hebelangriff reißt die Ecke auf oder die Zarge kippt im Mauerwerk zur Seite.
Die Holzzarge aus MDF oder Spanplatte und die Zarge in einer Gipskartonwand. Schrauben eines Sicherheitsschließblechs greifen ins Leere, die Bandseitensicherung hängt am Furnier und nicht an einer tragenden Substanz.
Der Merksatz, der aus diesen drei Punkten folgt, ist der Kern des ganzen Themas. Eine gute Tür auf schlechter Zargenverankerung ist kein Einbruchschutz.
Wie Einbrecher Türen öffnen
Das häufigste Werkzeug von Einbrechern ist die Brechstange. In einer Studie des Marktforschungsinstituts Innofact aus dem Jahr 2025 gaben Einbruchsopfer die Brechstange als häufigstes Tatwerkzeug an. Der Einbrecher setzt das Werkzeug in der Falzluft zwischen Zarge und Türblatt an, hebelt mit körperlichem Gewicht gegen den Schlossbereich und nutzt die Hebelwirkung, um die Zarge zur Seite zu drücken oder das Schließblech aus der Zarge zu reißen.
Es gibt neben der Brechstange auch spezialisierte Öffnungswerkzeuge wie den Zargenspreizer. Das ist ein mechanisches Spindelwerkzeug, das quer zwischen die beiden senkrechten Zargenschenkel gesetzt und über ein Drehgewinde ausgefahren wird. Dadurch drückt das Werkzeug die Zarge auseinander, die Falzluft öffnet sich, und Öffnungswerkzeuge können angesetzt oder Falle und Riegel direkt bearbeitet werden. Der Zargenspreizer ist aber kein typisches Einbrecher-Werkzeug. Er wird zum einen im Türbau als Montagehilfe beim Ausschäumen verwendet, zum anderen von Schlüsseldiensten und Einsatzkräften für zerstörungsarme Öffnungen. Wenn eine geschäumte Zarge sich damit in Sekunden auseinanderdrücken lässt, zeigt das nur, wie gering der Widerstand eines ungesicherten Rahmens gegen seitliche Kräfte ist
Was eine Zarge überhaupt ist
Die Zarge ist der Rahmen, in dem die Tür hängt. Sie übernimmt drei Aufgaben gleichzeitig. Sie führt das Türblatt beim Öffnen und Schließen. Sie trägt die Bänder auf der einen und das Schließblech auf der anderen Seite. Und sie leitet alle Kräfte ins umgebende Mauerwerk.
Der letzte Punkt wird regelmäßig unterschätzt. Jede Tür wirkt statisch wie ein Hebel. Eine Person, die sich am Türgriff abstützt, bringt je nach Körperhaltung 20 bis 80 Kilogramm an eine kleine Fläche. Ein Einbrecher mit einer Brechstange bringt ein Vielfaches davon. Die Zarge leitet diese Kräfte über Schließblech, Bänder und Rahmenverankerung weiter. Wenn diese Kette an einer Stelle reißt, nützt der Rest nichts mehr.
Der Blick von oben
Ein Horizontalschnitt zeigt die Tür von oben. Von der Wand nach innen zum Türblatt betrachtet, folgen Leibung, Ausgleichsfuge, Zargenkörper mit Zargenspiegel auf der sichtbaren Vorderfläche, Zargenfalz mit Dichtung in der Nut, Falzluft und Türblatt. Bei gefälzten Türen überdeckt zusätzlich der Überschlag des Türblatts den Falzbereich auf der Raumseite.
Die Leibung ist die Innenseite der Maueröffnung.
Die Ausgleichsfuge ist der kleine Spalt zwischen Mauerwerk und Zarge, in den der Monteur Dübel, Mörtel oder Schaum bringt.
Der Zargenspiegel ist die sichtbare Vorderfläche der Zarge.
Der Zargenfalz ist die Ausnehmung im Zargenprofil, gegen die das geschlossene Türblatt dichtet.
Die Falzluft, auch Funktionsfuge genannt, ist der Spalt zwischen Türblatt und Zarge im Falzbereich, in dem die Dichtung sitzt.
Der Überschlag ist der Teil des Türblatts, der über die Zarge greift. Bei gefälzten Türen ist er vorhanden, bei stumpfen Türen nicht.

Der Blick von der Seite
Ein Vertikalschnitt zeigt die Tür von der Seite.
Oben sitzt das obere Band, unten das untere. Dazwischen bleibt Platz für ein drittes Band, wenn das Türblatt zu schwer für zwei Bänder ist.
Die Zargenfalzmaß-Höhe ist die Innenhöhe des Zargenfalzes.
Die nutzbare Durchgangslichte-Höhe ist das, was tatsächlich zum Durchgehen bleibt. Aufgesetzte Beschläge, die in die Durchgangshöhe ragen, werden davon abgezogen. Ausgenommen sind Türschließer, die bei der Berechnung der Durchgangslichte nicht mitgerechnet werden.
Der Bodeneinstand beschreibt, wie tief die Zarge in den Boden reicht.
Die Distanzschiene ist ein unauffälliges, aber sicherheitsrelevantes Bauteil. Sie verbindet die beiden senkrechten Zargenschenkel am Boden und verhindert, dass die Zarge beim Transport auseinanderläuft oder zusammengedrückt wird.
Im Bestand ist zu beobachten, dass sie bei älteren Stahlzargen fehlen oder durchgerostet sein kann. Dann hat die Zarge an ihrer unteren Kante kein fixes Maß mehr.

Bandbezugslinien
Die Positionen, an denen die Bänder sitzen, sind normativ festgelegt. Die erste Bandbezugslinie liegt oben, die zweite unten. Beide werden immer besetzt. Die dritte Bandbezugslinie liegt zwischen den beiden anderen, aber nicht mittig. Sie kommt nur dann zum Einsatz, wenn ein Türblatt zu schwer für zwei Bänder ist und die Tragkraft nicht schon durch eine größere Materialstärke der vorhandenen Bänder erreicht werden kann.
Das obere Band trägt statisch mehr Last als das untere. Grund ist die Hebelwirkung. Das Eigengewicht der Tür erzeugt ein Kippmoment um die untere Bandachse, das am oberen Band als Zug- und am unteren Band als Druckbelastung ankommt. Ein drittes Band nahe der oberen Bandbezugslinie entlastet dieses stärker belastete obere Band. Der Tragkraftgewinn durch ein drittes Band ist aber nicht, wie oft angenommen, 50 Prozent, sondern bestenfalls 30 Prozent — und nur dann, wenn das Band an der richtigen Stelle sitzt.
Maulweite und Fertigwanddicke
Die Maulweite ist die lichte Weite einer Zarge, die die Wanddicke aufnimmt. Bei Stahl-Umfassungszargen ist sie werkseitig fixiert und muss zur Fertigwanddicke passen. Weil die tatsächliche Wanddicke in der Praxis selten millimetergenau der Planung entspricht, haben Futterzargen eine verstellbare Maulweite.
Sicherheitstechnisch ergibt sich der Unterschied zwischen beiden Zargentypen nicht primär aus der Verstellbarkeit, sondern aus Material und Konstruktion. Eine Stahl-Umfassungszarge aus 1,5 mm verzinktem Feinblech leitet Hebelkräfte anders ins Mauerwerk als eine Futterzarge aus 18 mm MDF oder Spanplatte. Hinzu kommt, dass Futterzargen typischerweise nicht mit Mauerverankerung gesetzt werden, sondern im Blindstock oder direkt in der Wandöffnung verschraubt. Beide Faktoren zusammen machen die Futterzarge bei Hebelangriffen empfindlicher als eine gemauerte oder dübelverankerte Stahlzarge.
Die Zargentypen im Überblick
Jede Zarge gehört zu einem bestimmten Bautyp, hat ein bestimmtes Material und sitzt auf eine bestimmte Weise in der Wand. Die Unterschiede sind nicht nur konstruktiv, sondern auch sicherheitsrelevant. Ein Beschlag, der für eine Stahl-Umfassungszarge entwickelt wurde, passt selten ohne Zusatzteile in eine Holz-Blockzarge. Und eine Zarge aus 1,5 mm Stahlblech leitet andere Kräfte ins Mauerwerk als eine Futterzarge aus MDF.
Stahlzargen
Im Objektbau sind Stahlzargen am weitesten verbreitet. Im Wohnungsbau gilt das vor allem für Mehrfamilienhäuser, während im Einfamilienhaus-Bestand Holz-Futterzargen und Blockzargen weiterhin verbreitet sind. Sprachlich hat sich bei Türstöcken aus Metall der Begriff Zarge durchgesetzt.
Umfassungszarge. Bildlich ein U-Profil, das die gesamte Fertigwand umgreift, von der einen Seite des Mauerwerks über die Leibung bis zur anderen Seite. Die Fachbegriffe aus dem Horizontalschnitt sind die Maulweite als lichte Weite, die die Wanddicke aufnimmt, der Zargenspiegel als sichtbare Vorderfläche, die Verputzdicke als Raum zwischen Rohbau und Zargenoberfläche, die Zargendurchgangslichte-Breite, der Zementmörtel als klassisches Befestigungsmaterial in der Massivwand, die Nut für das Dichtungsprofil, der Bandträger als Aufnahme für das Türband und der Abdeckkasten für die Schließöffnung.
Eckzarge. Das Gegenstück zur Umfassungszarge. Sie sitzt nicht um die Wand herum, sondern an der Ecke einer Wandseite. Der Umbug ist die Kante, mit der die Stahlzarge um die Wandecke greift. Rohbaudicke und Fertigwanddicke werden bei der Eckzarge als getrennte Maße geführt.
Im Markt ist die Stahl-Eckzarge aus 1,5 mm verzinktem Feinblech der Standard für RC-2-Wohnungsabschlusstüren. Die Hörmann KSI 40-1 baut beispielsweise auf einer Spezial-Eckzarge mit 1,5 mm Blechstärke und werkseitig angeschweißten Maueranker-Dübeln auf. Teckentrup dw 62-1 und Novoferm NovoPorta Premio arbeiten mit derselben Grundlogik.
Holzzargen
Rahmenstock, auch Blockzarge genannt. Ein massiver Türrahmen, bei dem der Falz direkt integriert ist. Die anschließende Wand wird nicht umfasst. Blockzargen sind in gefälzter und stumpfer Ausführung erhältlich. In der modernen Architektur werden zunehmend schlanke Blockzargen eingesetzt. Sicherheitstechnisch ist das tragende Holzwerkstoff- oder Vollholzprofil die entscheidende Grundlage, ergänzt durch die Verankerung im Mauerwerk. Die Polizeiliche Kriminalprävention verlangt für alle Zargentypen eine mechanisch stabile Verbindung mit dem Mauerwerk.
Futterzarge, in Österreich Holzzarge genannt. Mehrteiliger Aufbau aus tragender Falzverkleidung im Falzbereich, sichtbarer Zierverkleidung, die ausdrücklich nicht aus Vollmaterial ist, einem Futter als Mittelteil und einem Verstellbereich. Die Maulweite ist einstellbar. In der Praxis ermöglicht das die Anpassung an Fertigwanddicken, die selten millimetergenau der Planung entsprechen. Sicherheitstechnisch fällt die Futterzarge gegenüber einer Stahl-Umfassungszarge zurück — wegen des Materials (Holzwerkstoff statt Stahl) und wegen der typischen Montage ohne Rahmendübel ins Mauerwerk.
Blindstock. Wird vor der eigentlichen Zarge ins Bauwerk versetzt und dient als Unterkonstruktion für die Zarge. Nicht nur auf die Kombination mit Futterzargen beschränkt.
Aluminiumzargen
Aluminiumzargen werden bei Haustüren im Einfamilienhaus häufig eingesetzt, weil Aluminium korrosionsbeständig ist und sich gut mit thermisch getrennten Profilen kombinieren lässt. Aluminium selbst ist allerdings ein sehr guter Wärmeleiter, weshalb Haustürzargen aus Aluminium in der Regel mit einem thermisch trennenden Steg aus Kunststoff oder Glasfaser-Verbundmaterial ausgeführt sind, um die Wärmebrücke zu vermeiden. Die im Türbau übliche Legierung ist EN AW-6060 T66, handelsüblich als AlMgSi0,5.
Hörmann bietet die Sicherheitstür KSI Thermo46 mit einer 60 mm tiefen, thermisch getrennten Aluminium-Blockzarge (Profil A2) an. Die KSI Thermo46 ist laut Hersteller eine einbruchhemmende Keller- und Nebentür mit RC 2 nach DIN EN 1627.
Der Hersteller Küffner hat darüber hinaus ein Programm an Aluminiumzargen für den Objektbau entwickelt, das zunehmend auch in Wohnungen eingesetzt wird. Dazu gehören die Blendrahmenzarge, die vor der Wandöffnung sitzt, die Leibungszarge mit schlankem Zargenspiegel in der Leibung, die Schiebetürzarge für vor der Wand laufende Schiebetüren und die Fingerschutz-Zarge mit 3 mm gleichmäßigem Bandkantenabstand rund um den Zargenspiegel (deutlich unter der 8-mm-Grenze der EN 16005 für kraftbetätigte Türen).
Die wichtigsten Normen im Überblick
Norm | Regelungsgegenstand |
DIN 18101 | Türen für den Wohnungsbau, Türblattgrößen, Bänder, Schlosssitz |
DIN 18111-1 | Stahlzargen für gefälzte Türen in Mauerwerkswänden |
DIN 18111-2 | Stahlzargen für gefälzte Türen in Ständerwerkswänden |
DIN 18111-3 | Sonder-Stahlzargen für gefälzte und ungefälzte Türblätter |
DIN 18111-5 | Druckfestes Hinterfüttern und Abdichten |
ÖNORM B 5330-8 | Stahlzargen für Massivwände (Österreich) |
ÖNORM B 5330-10 | Stahlzargen für Ständerwandsysteme mit Gipsplatten |
DIN EN 1627 | Einbruchhemmung, Anforderungen und Klassifizierung |
EN 16005 | Kraftbetätigte Türen, Fingerschutz |
Ein Detail, das in der Praxis häufig übersehen wird. Die Falztiefe einer gefälzten Tür ist in Österreich mit 24 mm um 1 mm geringer als in Deutschland, und auch die Bandbezugslinien stimmen nicht überein. Wer Beschläge oder Türblätter grenzüberschreitend beschafft, muss auf Kompatibilität achten.
Wie die Zarge im Mauerwerk sitzt
Die Verbindung zwischen Zarge und Wand entscheidet über den Einbruchschutz mehr als jedes andere einzelne Bauteil der Tür. Historisch hat sich diese Verbindung dreimal grundlegend verändert.
Eingemörtelte Stahlzarge, 1950er bis 1970er Jahre
Standard der Nachkriegsmoderne. Bügel- oder Nagelanker ragen aus den senkrechten Zargenschenkeln heraus und werden in die Lagerfugen des Mauerwerks gemörtelt. Der Hohlraum zwischen Zarge und Rohbau wird mit Zementmörtel vollständig ausgefüllt. Die Zarge ist danach form- und kraftschlüssig fest im Mauerwerk eingebunden und nimmt Kräfte wie ein Teil der Wand auf.
Drei Schwächen sind aus der Praxis dokumentiert.
Rost an Ankern und Fugen bei feuchten Kellern und schlecht isolierten Sockeln.
Eckverbindungen, die teils nur verschweißt und ohne Zusatzverankerung ausgeführt sind, was sie bei Hebellast zu Schwachstellen macht.
Bauwerkssetzungen erzeugen über Jahrzehnte Risse in der Mörtelverbindung zwischen Zarge und Mauerwerk, die im Sichtputz nicht immer auffallen, im Inneren aber den Kraftfluss schwächen.
Eingeschäumte Zarge, ab den 1980er Jahren
Der Umbruch. Statt Zementmörtel bringt der Monteur PU-Montageschaum in die Ausgleichsfuge. Die Zarge wird mit Keilen ausgerichtet, der Schaum härtet aus, die Tür kann angeschlagen werden. Schnell, sauber, wirtschaftlich.
Sicherheitstechnisch ist reine Schaum-Montage nicht mehr als eine Füllung des Zwischenraums. Der Schaum hält die Zarge in Position, trägt aber keine nennenswerten Hebelkräfte ins Mauerwerk. Eine nur geschäumte Zarge lässt sich laut Polizeilicher Kriminalprävention mit wenigen Hebelansätzen aus der Laibung drücken.
Die polizeiliche Empfehlung ist eindeutig. Zargen sind mechanisch stabil mit dem Mauerwerk zu verbinden und druckfest zu hinterfüttern.
Rahmendübel und Eindrehanker
Die fachlich korrekte Verbindung zum Mauerwerk läuft in der Regel über einen Kunststoff-Langschaft-Rahmendübel mit Ø 10 mm oder mehr. Das ist die Mindestanforderung für RC 2 nach DIN EN 1627 NA. Drei Zulassungen dominieren den deutschsprachigen Markt.
Fischer SXR und SXRL unter ETA-07/0121. Eingesetzt in Beton ab C12/15, Vollziegel, Hochlochziegel, Kalksandstein voll und gelocht, Hohlblock aus Leichtbeton und in Porenbeton. Wassergesättigter Porenbeton ist ausgeschlossen.
Würth W-UR und SHARK UR unter ETA-08/0190. Die Baustoffliste ist vergleichbar breit und umfasst zusätzlich Gipswandbauplatten.
TOX Fassad unter ETA-17/1002. Ebenfalls zugelassen für Beton, Vollziegel, Kalksandstein voll und gelocht, Hochlochziegel und Porenbeton.
Für grenzwertige Untergründe wie Hochlochziegel mit besonders dünnen Stegen oder sehr weichen Porenbeton ist die chemische Verankerung die Alternative, die nach Baustellentest gegebenenfalls bessere Auszugswerte erreicht.
Hilti HIT-HY 270 unter ETA-13/1036 ist ausdrücklich für Mauerwerk zugelassen, mit Siebhülse auch für Lochsteine. Eine wichtige Abgrenzung, die in der Praxis oft verwechselt wird. Hilti HIT-HY 200 V3 unter ETA-19/0601 ist nur für Beton zugelassen, nicht für Mauerwerk.
Die Setztiefe im Mauerwerk richtet sich nach ETA und Herstellervorgabe und liegt je nach Baustoff und Produkt typisch zwischen 40 und 90 mm. Das ist nicht gleich der Bohrtiefe, die in der Regel größer gewählt wird, um Staubrest und Dübelkörper unterzubringen. Exakte kN-Auszugswerte stehen in den Anhängen der ETAs und sind baustoffspezifisch.

Druckfestes Hinterfüttern nach DIN 18111-5
Polizeiliche und normative Empfehlung. Nach dem Setzen der Dübel wird der verbleibende Spalt zwischen Zarge und Rohbau mit PU-Montageschaum oder 2-K-Expansionsklebstoff vollflächig geschlossen. Ohne Hinterfütterung fängt die Zarge unter Hebellast an zu federn. Selbst ein guter Rahmendübel bringt wenig, wenn die Zarge zwischen den Ankerpunkten nach innen nachgeben kann.
Typische RC-2-Verankerung
Ein Beispiel aus dem Herstellerdatenblatt. Die Teckentrup dw 62-1 in RC-2-Ausführung baut auf einer Stahl-Eckzarge mit 1,5 mm Blechdicke auf. Die Zarge wird mit drei Befestigungspunkten je Seite per Schraubmontage ans Mauerwerk geführt. Mindestwand Mauerwerk 115 mm, Beton 100 mm, Porenbeton 170 mm. Das sind keine Empfehlungen, sondern Prüfbedingungen des ift-Prüfzeugnisses nach DIN EN 1627:2021-11. Wer kleiner dimensioniert, bewegt sich außerhalb des Prüfumfangs und hat keine geprüfte RC-Tür mehr.
Montagereihenfolge auf der Baustelle
Der Zeitpunkt der Zargenmontage unterscheidet sich nach Zargentyp.
Eingemörtelte Umfassungszargen werden klassisch im Rohbau gesetzt, bevor Putz und Estrich eingebracht werden — oft von spezialisierten Zargenmonteuren, nicht vom späteren Türbauer.
Moderne Eckzargen mit Schraubmontage und Maueranker-Dübeln können auch nachträglich in eine fertiggestellte Wandöffnung gesetzt werden. Die Türblätter folgen bei beiden Varianten in der Regel später von anderen Handwerkern.
Futterzargen dagegen werden gemeinsam mit dem Türblatt geliefert und montiert.
Die Reihenfolge ist sicherheitsrelevant, weil die Mauerwerksverankerung einer Zarge nach der Fertigstellung unter Putz, Verkleidung oder hinter Zierblenden verschwindet und nachträglich nicht mehr geprüft werden kann — außer mit zerstörungsbehafteten Eingriffen.
Wer später die Verankerungsqualität einer Bestandszarge beurteilen will, ist auf Klopftests, Blendenabnahme oder Rückschlüsse aus dem Baujahr angewiesen.
Nachrüstung und Modernisierung
Die Frage, die im Alltag am meisten gestellt wird, ist nicht theoretisch, sondern praktisch. Die Zarge ist eingeschäumt, die Tür sitzt 30 Jahre im Mauerwerk, und jetzt soll es besser werden. Welche Wege gibt es.
Lokale Verstärkung mit Schließblech und Bandseitensicherung
Die Standardlösung für die meisten Wohnungseingangstüren. Ein Sicherheitsschließblech mit mindestens 3 mm Stahldicke ersetzt das Standard-Schließblech der Zarge. Auf der Bandseite wird eine Bandseitensicherung gesetzt, die bei einem Hebelangriff auf der Scharnierseite die Tür am Herausheben hindert. Alternativ kann ein Querriegelschloss oder Panzerriegel auf der Raumseite montiert werden.
Der Eingriff ist lokal invasiv.
Für das Schließblech müssen Aussparungen in die Zarge gefräst oder gebohrt werden, die Schrauben greifen in den Zargenschenkel.
Die Bandseitensicherung erfordert Bohrungen in Zarge und teilweise Türblatt.
Ein Querriegelschloss bringt Bohrungen und Schließkästen auf der Raumseite links und rechts der Zarge in die Laibung. Die Tür bleibt funktionsfähig, aber die Maßnahme ist nicht reversibel ohne sichtbare Spuren.
Die Kosten liegen je nach Umfang zwischen 100 und 1.500 Euro. Ein Sicherheitsschließblech mit Montage bewegt sich bei 100 bis 250 Euro, die Bandseitensicherung im Paar bei 150 bis 300 Euro, ein fachgerecht montiertes Querriegelschloss bei 600 bis 1.200 Euro.
Die richtige Reihenfolge bei der Aufrüstung ist wichtig. Ein häufiger Fehler, der Zeit und Geld kostet: Der Bewohner kauft zuerst Beschläge und fragt dann bei Vermieter, Eigentümergemeinschaft oder Denkmalschutzbehörde nach der Erlaubnis. Wenn die Zustimmung verweigert wird, liegen die Beschläge ungenutzt im Regal.
Die richtige Reihenfolge ist umgekehrt.
Zuerst Statusprüfung der Zarge durch einen Fachbetrieb.
Dann Einholung der Erlaubnis: beim Vermieter im Mietverhältnis, bei der Eigentümerversammlung nach § 20 WEG im Wohnungseigentum (über den Verwalter als Ansprechpartner), bei der Unteren Denkmalschutzbehörde im geschützten Bestand.
Dann Produktauswahl abgestimmt auf Tür, Zarge und rechtliche Auflagen.
Dann Montage durch den Fachbetrieb.
Mauerwerksverankerung mit Rahmendübeln
Die professionelle Methode, wenn lokale Verstärkung nicht ausreicht. In die Zargenschenkel werden mindestens drei Bohrungen pro Seite gesetzt. In jede Bohrung kommt ein Rahmendübel mit Ø 10 mm oder mehr, mit chemischer oder mechanischer Verankerung ins Mauerwerk. Die Anzahl und der Abstand der Punkte richten sich nach der Mindestvorgabe der DIN EN 1627 NA für RC 2: Eckabstand 150 bis 200 mm, Punktabstand höchstens 600 mm.
Dadurch wird die Zarge zu einem tragfähigen Element im Mauerwerk.
Das Sicherheitsschließblech, das anschließend in dieser Zarge sitzt, überträgt die Hebelkräfte nicht mehr an einen lose geschäumten Rahmen, sondern an einen fest verankerten. Die Bandseitensicherung arbeitet auf der anderen Seite analog.
Sicherheitstechnisch erreicht die Zarge damit das polizeiliche K-EINBRUCH-Level B und in der Wirkung ein RC-2-nahes Niveau. Ein Prüfzertifikat nach DIN EN 1627 ersetzt die Nachrüstung allerdings nicht. Für eine geprüfte RC-2-Klasse müsste die gesamte Tür als Systemelement nach Norm geprüft sein. Das ist für Versicherungsleistungen und für die KfW-Förderung nach Programm 159 relevant.
Diese Methode braucht Erfahrung. Der Monteur muss wissen, in welchem Material er bohrt. Vollziegel, Hochlochziegel oder Porenbeton haben völlig unterschiedliche Anforderungen. Ein Rahmendübel, der im falschen Material mit der falschen Setztiefe sitzt, hält nichts. Eine Bandseitensicherung, die an einen schlecht gesetzten Dübel geschraubt ist, ist ein teurer Werkstoff, der unter Last aus der Wand kommt.
Die Kosten liegen im mittleren dreistelligen bis niedrigen vierstelligen Euro-Bereich, abhängig von Material und Umfang.
Kompletttausch
Die Bestandszarge wird ausgebaut, die Tür entfernt, ein geprüftes RC-2-Element inklusive Zarge wird neu eingebaut. Bei Wohnungseingangstüren im Mehrfamilienhaus etwa 1.200 bis 2.400 Euro. Bei Haustüren im Einfamilienhaus etwa 2.000 bis 3.500 Euro.
Der Weg ist aufwendig, aber die sauberste Lösung. Das neue Element hat ein eigenes Prüfzeugnis nach DIN EN 1627. Damit ist die RC-Klasse als System belegt, nicht nur durch Einzelprodukt-Zertifikate der nachgerüsteten Beschläge.
Beide Lösungen, die Nachrüstung nach DIN 18104-1 und das Komplettelement nach DIN EN 1627, entsprechen dem K-EINBRUCH-Level B. Der Unterschied liegt in der Art des Nachweises, nicht im Sicherheitsniveau. Für Versicherungen, KfW-Förderung und Gerichtsgutachten kann die geprüfte Systemklasse aber die stärkere Position sein.
Sanierungszarge als Zwischenweg
Zwischen den punktuellen Nachrüstungen und dem Kompletttausch gibt es einen vierten Weg.
Eine Sanierungszarge wird als neue Stahlzarge über die Bestandszarge montiert, ohne dass die alte Zarge herausgerissen werden muss. Hersteller wie Köhnlein (SZ-UVR/SZ-EZR), Schörghuber (Sanierungseckzarge, RC 2 oder RC 3 kombinierbar) und PaXriha bieten solche Systeme an. Die Kosten liegen bei etwa 1.500 bis 3.000 Euro.
Die Methode ist besonders dort sinnvoll, wo die Bestandszarge statisch tragend im Mauerwerk sitzt, aber nicht mehr den heutigen Sicherheitsanforderungen entspricht.
Ablauf beim Fachbetrieb
Bei einer geschäumten Bestandszarge läuft die Arbeit typischerweise in sieben Schritten.
Bestandsaufnahme von Material, Alter, Befestigungsart und Mauerwerksqualität.
Bauschaum an den geplanten Ankerpunkten partiell entfernen.
Vorbohrung durch die Zarge, dann ins Mauerwerk.
Rahmendübel setzen, in Lochstein mit Siebhülse und Verbundmörtel.
Montage von Schließblech, Bandseitensicherung oder Panzerriegel-Schließkasten über die Mauerverankerung.
druckfestes Hinterfüttern des Zwischenraums nach DIN 18111-5.
Funktionsprüfung und Dokumentation der Maßnahme.

Den Zustand der eigenen Zarge prüfen
Bevor über Nachrüstung gesprochen wird, lohnt sich eine einfache Bestandsaufnahme.
Falzluft messen
Die Falzluft ist der Spalt zwischen Türblatt und Zarge im Schlossbereich bei geschlossener Tür. Die Polizeiliche Kriminalprävention nennt als Zielgröße etwa 3 mm, Obergrenze 5 mm. Mehr bedeutet zu viel Spiel und damit einen leichteren Ansatzpunkt für ein Hebelwerkzeug.
Die Regel gilt generell für einbruchhemmende Türen und ist gleichzeitig Voraussetzung für jeden Sicherheitsschließblech-Einbau.
Ist die Zarge mechanisch verankert oder nur geschäumt?
Der Klopftest: Beim Klopfen auf Zarge und umgebenden Putz klingt eine mechanisch verankerte Zarge satt und gedämpft. Ein hohler, resonanter Klang deutet auf reine Schaumfixierung hin.
Die Blendenabnahme: Die Zierbekleidung oder Blende der Zarge wird vorsichtig abgenommen. Sichtbar werden dann die Ankerpunkte. Gehen dort Schrauben oder Dübel ins Mauerwerk, ist die Zarge mechanisch verankert. Ist dort nur geschäumter Zwischenraum zu sehen, fehlt die Verankerung.
Weitere Sichtkontrolle
Ergänzend lohnen sich vier Sichtprüfungen:
Rostnarben an Eckverbindungen und Anschweißmuffen einer Stahlzarge.
Bauwerkssetzungen, erkennbar an Putzrissen entlang der Laibung oder am Zarge-Wand-Übergang.
Ungleichmäßige oder offene Fugen zwischen Zarge und Fertigwand.
Knackende oder metallische Geräusche beim Öffnen und Schließen, die auf lockere Bandverbindungen oder eine nachgebende Zarge hinweisen können.
Keines dieser Zeichen ist für sich genommen ein endgültiger Befund. Zusammen mit dem Klopftest und der Blendenabnahme ergeben sie aber ein Bild des tatsächlichen Zargenzustands.
Recht und Geld
Einbruchschutz scheitert in der Praxis öfter an Verwaltung, Vertragsrecht oder Versicherung als an der Technik. Dieser Abschnitt ordnet die rechtliche Lage für Mieter, Wohnungseigentümer und Versicherungsnehmer und erklärt, welche Förderwege 2026 offenstehen.
Mietrecht
§ 554 Abs. 1 BGB in der WEMoG-Fassung seit 01.12.2020, erweitert durch das Gesetz vom 17.10.2024, gibt dem Mieter einen einklagbaren Anspruch auf Erlaubnis für bauliche Einbruchschutzmaßnahmen. Der Vermieter darf nur bei Unzumutbarkeit ablehnen. Typische Gegengründe sind Denkmalschutz oder eine einheitlich gestaltete Fassade.
Kosten trägt bei Mietervornahme der Mieter. Rückbau beim Auszug ist nach § 546 Abs. 1 BGB Pflicht, außer der Vermieter verzichtet ausdrücklich. Eigenmächtiger Einbau ohne Erlaubnis ist riskant. Die Rechtsprechung erkennt in solchen Fällen Beseitigungsansprüche nach § 541 BGB an, in schweren Fällen bis zur Kündigung.
Nach § 554 Abs. 1 Satz 3 BGB kann der Mieter von sich aus eine zusätzliche Sicherheit für den Rückbau anbieten, um die Erlaubnis zu erleichtern. Einen Anspruch des Vermieters auf eine solche Sicherheit gibt es seit dem WEMoG ausdrücklich nicht mehr. Abweichende Vereinbarungen zu Lasten des Mieters sind unwirksam.
Wohnungseigentum
Der Ausgangspunkt ist eindeutig. Die Wohnungseingangstür samt Zarge steht nach BGH V ZR 212/12 vom 25.10.2013 zwingend im Gemeinschaftseigentum. Selbst wenn die Teilungserklärung sie dem Sondereigentum zuweist, ist diese Zuordnung unwirksam. Eigenmächtige bauliche Veränderungen am Gemeinschaftseigentum sind unzulässig, auch wenn sie technisch möglich sind.
Der Eigentümer braucht einen Gestattungsbeschluss der Eigentümerversammlung nach § 20 WEG. Der Verwalter ist dabei Ansprechpartner und Ausführungsorgan, kann die Entscheidung aber nicht selbst treffen. Der Eigentümer muss einen Antrag stellen, der auf die Tagesordnung der nächsten Versammlung kommt.
Einbruchschutz ist nach § 20 Absatz 2 Satz 1 Nummer 3 WEG eine privilegierte Maßnahme. Der Eigentümer hat einen gesetzlichen Anspruch auf Gestattung einer angemessenen Maßnahme. Der BGH hat mit Urteil vom 09.02.2024, V ZR 244/22, entschieden, dass privilegierte Maßnahmen regelmäßig angemessen sind. Typische Substanzeingriffe und optische Veränderungen begründen keine Unangemessenheit. Die Darlegungslast trifft die Gemeinschaft. Wird der Beschluss verweigert, kann der Eigentümer innerhalb eines Monats eine Beschlussersetzungsklage nach § 44 WEG erheben.
Die Kosten trägt nach § 21 Absatz 1 WEG der antragstellende Eigentümer allein. Eine Umlage auf die Gemeinschaft über die Jahresabrechnung ist nur bei qualifizierter Doppelmehrheit möglich, praktisch selten.
KfW 159 Altersgerecht Umbauen
Das KfW-Programm 159 ist das zentrale Förderinstrument für Einbruchschutz. Förderfähig sind Kreditmittel bis zu 50.000 Euro pro Wohneinheit, wovon der Einbruchschutz-Anteil bis zu 16.000 Euro betragen kann. Bedingung ist die Umsetzung nach DIN EN 1627, mindestens RC 2, oder der Einbau von Nachrüstprodukten nach DIN 18104-1. Zargen-Nachrüstung mit Rahmendübel-Verankerung und zertifizierten Beschlägen ist förderfähig.
Die Mittel müssen vor Beginn der Arbeiten beantragt werden. Der Handwerker muss eine Fachunternehmerbestätigung ausstellen, Formular Nummer 600000 4554. Eine zwingende KfW-Fachbetriebsliste wie bei Energieeffizienz-Experten gibt es für Einbruchschutz nicht.
Die exakten Konditionen, Zinssätze und Tilgungszuschussanteile ändern sich im Laufe der Zeit. Wer verbindliche Werte braucht, fragt bei der Hausbank oder beim KfW-Infocenter unter 0800 539 9002 an oder prüft das Merkblatt 600 000 3884 direkt auf kfw.de.
Steuern
§ 35a Absatz 3 EStG. 20 Prozent der Arbeitskosten, maximal 1.200 Euro im Jahr und Haushalt. Dieser Deckel ist seit 2006 unverändert und wurde weder durch das Wachstumschancengesetz noch durch das Jahressteuergesetz 2024 angepasst.
Nur Arbeitskosten, keine Materialkosten. Die Zarge selbst, das Schließblech, der Zylinder, die Bandseitensicherung und das Türblatt sind nicht begünstigt. Rechtsgrundlage ist § 35a Absatz 5 Satz 2 EStG, konkretisiert durch das BMF-Schreiben vom 09.11.2016, Aktenzeichen IV C 8 – S 2296 b/07/10003 :008. Die Rechnung muss Arbeits- und Materialanteil getrennt ausweisen, alternativ ist eine Schätzung nach üblichen Anteilen zulässig. Zahlung zwingend per Überweisung. Barzahlung wird nicht anerkannt.
Mieter sind voll begünstigt. Die Steuerermäßigung greift auch dann, wenn der Mieter die Handwerkerverträge nicht selbst geschlossen hat, solange die Nebenkosten- oder Hausgeldabrechnung die erforderlichen Angaben enthält. Bestätigt durch BFH-Urteil VI R 24/20 vom 20.04.2023.
Einbruchschutz gilt steuerlich als Maßnahme zur vorbeugenden Schadensabwehr und fällt damit unter Absatz 3. Bestätigt durch BFH-Urteil VI R 1/13 vom 06.11.2014.
Doppelförderung ist ausgeschlossen. Wer die Zargenmaßnahme über KfW 159 finanziert, verliert den § 35a-Abzug für genau diese Maßnahme, und zwar auch für den Kostenanteil über dem Förderdeckel. Rechtsgrundlage § 35a Absatz 3 Satz 2 EStG und BMF-Schreiben 09.11.2016 Randziffer 53.
Altbau und Denkmal
Im Bestand ist die Zarge selten ein isoliertes Thema. Sie gehört zu einem historisch gewachsenen Gesamtobjekt, das bauzeitlich andere Regeln hatte, heute rechtlich oft geschützt ist und handwerklich andere Eingriffswege verlangt. Drei Szenarien decken die meisten Fälle ab.
Szenario A, Gründerzeit bis 1945
Typische Konstruktion. Massivholz-Haustüren aus Eiche oder Nadelholz, 40 mm Blattstärke, Kassettenfüllungen. Der Rahmen sitzt oft direkt in einem Sandsteinfalz oder ist als Blockzarge ausgeführt. Innentüren haben Futter- oder Bekleidungszargen mit Buntbart-Kastenschlössern.
Nachrüstwege:
Ersatz des Buntbart-Kastenschlosses durch ein Hakenschwenkriegelschloss mit Sicherheitsrosette, zusätzlich ein Steckschloss am Buntbart.
Durchgehendes Winkel- oder Z-Schließblech mit Mauerverankerung.
Raumseitige Aluminium-Winkel in den Füllungsfälzen hinter den Originalleisten.
Dreipunktverriegelung im Stulp.
Innenliegender Querriegel oder Panzerriegel, reversibel verschraubt.
Zielklasse maximal RC 2. Die Haustür selbst ist fast immer denkmalprägend, jede äußerliche Änderung ist erlaubnispflichtig, Grundsatz Reparatur vor Ersatz.
Szenario B, 1950er bis 1970er
Typische Konstruktion. Eingemörtelte Stahlzargen, überwiegend als Eckzargen, seltener als Umfassungszargen, 1,5 mm verzinktes Feinblech als Standard. Bügel- oder Nagelanker in den Lagerfugen des Mauerwerks. Problematisch sind Rost in feuchten Fugen und häufig nur verschweißte Eckverbindungen ohne Zusatzverankerung.
Nachrüstwege:
Zweiteilige Stahl-Sanierungszarge zum Aufsetzen von Schörghuber, Westag oder Köhnlein mit Schraub- oder Dübelverankerung.
Verlängerte Sicherheitsschließbleche von mindestens 3 mm Dicke bei einer Falzluft von etwa 3 mm und höchstens 5 mm.
Tausch gegen ein geprüftes RC-2-Set, etwa Hörmann KSi 40 oder Teckentrup dw 62-1, technisch einfach wegen der standardisierten Stahlzargenöffnung.
Bauten der Nachkriegsmoderne sind zunehmend geschützt, Einzelfallprüfung durch die Untere Denkmalschutzbehörde erforderlich.
Szenario C, 1980er bis heute
Typische Konstruktion. Geschäumte Holz-Umfassungszargen aus MDF oder Spanplatte, Oberfläche CPL, HPL oder Furnier, Montage per 1K- oder 2K-PU-Schaum ohne mechanische Verankerung im Mauerwerk. Stahlzargen zunehmend mit werkseitig gesetzten Eindrehankern, zum Beispiel dem Hörmann-System VarioFix. Haustüren sind werkseitig ab etwa 1995 einbruchhemmend erhältlich.
Bei geschäumten MDF-Zargen ist punktuelle Nachrüstung oft schwierig, weil die Zarge nur im Schaum sitzt, ohne mechanische Verankerung im Mauerwerk. Häufig ist der Kompletttausch des Türelements inklusive Zarge wirtschaftlicher. Wo nachgerüstet wird, ist druckfestes Hinterfüttern nach DIN 18111-5 zwingend. Denkmalschutz ist in der Regel nicht relevant, Ausnahme sind postmoderne Solitäre.
Reversibilität und Genehmigungspraxis im Denkmal
Leitprinzip aus der Charta von Venedig, Glossar „Bauen im Bestand" Ziffer E 0.4 Reversibilität und E 0.5 Unsichtbarkeit. Eingriffe sollen im Sinne der Unversehrtheit des Denkmals reversibel und möglichst unauffällig sein. Die Charta ist internationale Fachkonvention von ICOMOS, über die Vereinigung der Landesdenkmalpfleger in die Verwaltungspraxis der Landesdenkmalämter eingebunden, aber nicht unmittelbar Gesetzesrang.
Erlaubnisbehörde ist in der Regel die Untere Denkmalschutzbehörde bei Gemeinde oder Kreis. Das Landesdenkmalamt gibt das fachliche Benehmen. Erlaubnispflichtig ist jede Maßnahme, die Erscheinungsbild, Substanz oder geschützte Innenelemente berührt, auch Innentüren, Beschläge und Zargen. Genehmigungsfrei ist nur reine gleichartige Instandsetzung. Einschlägige Landesnormen sind Art. 6 Abs. 1 BayDSchG in der Fassung der Novelle vom 01.01.2026, § 8 DSchG BW, §§ 12 und 19 SächsDSchG, das DSchG NRW und das DSchG Berlin.
Typische Auflagen. Substanzerhalt vor Ersatz. Originalgetreuer Nachbau bei unvermeidlichem Tausch. Zielklasse Einbruchschutz bei denkmalprägenden Haupttüren maximal RC 2. Bei Nebeneingängen, die nicht stilistisch geschützt sind, ist auch RC 3 möglich. Keine außenliegenden Zusatzbeschläge. Reversible Verschraubung statt Verklebung.
Fachbetrieb und Einordnung zum Preis
Jede Zargennachrüstung, bei der Rahmendübel durch das Mauerwerk gesetzt werden müssen, gehört in die Hand eines Fachbetriebs. Ebenso jede Verstärkung im Hochlochziegel oder Porenbeton, weil die Wahl des richtigen Dübels und die richtige Setztechnik darüber entscheiden, ob der Anker hält oder nicht. Jede Kombination aus Schließblech, Bandseitensicherung und Querriegelschloss ist ein System, das aufeinander abgestimmt werden muss. Und jede Anpassung im Bestand einer eingeschäumten Zarge verlangt Erfahrung mit dem Baustoff, weil eine Bandseitensicherung in reinem Schaum nur so lange hält, wie der Schaum hält.

Häufige Fragen zur Türzarge und Nachrüstung
Woran erkenne ich, ob meine Zarge im Mauerwerk verankert ist?
Zwei einfache Tests reichen.
Erstens der Klopftest. Beim Klopfen auf Zarge und umgebenden Putz klingt eine mechanisch verankerte Zarge satt und gedämpft. Ein hohler, resonanter Klang deutet auf reine Schaumfixierung hin.
Zweitens die Blendenabnahme. Die Zierbekleidung der Zarge wird vorsichtig abgenommen. Gehen dort Schrauben oder Dübel ins Mauerwerk, ist die Zarge verankert. Ist nur geschäumter Zwischenraum zu sehen, fehlt die Verankerung.
Was kostet die Nachrüstung einer Zarge?
Die Kosten hängen vom Umfang ab. Ein Sicherheitsschließblech mit Montage liegt bei 100 bis 250 Euro. Eine Bandseitensicherung im Paar kostet 150 bis 300 Euro. Ein fachgerecht montiertes Querriegelschloss bewegt sich zwischen 600 und 1.200 Euro.
Eine Sanierungszarge über die Bestandszarge liegt bei 1.500 bis 3.000 Euro. Der Komplettaustausch der Wohnungseingangstür inklusive Zarge kostet 1.200 bis 2.400 Euro, bei Haustüren im Einfamilienhaus 2.000 bis 3.500 Euro.
Erreicht eine nachgerüstete Zarge die Widerstandsklasse RC 2?
Jein. Eine fachgerechte Nachrüstung mit Rahmendübeln im Mauerwerk und Sicherheitsbeschlägen erreicht das polizeiliche K-EINBRUCH Level B. Das ist das gleiche Level wie ein geprüftes RC 2 Komplettelement. Ein eigenes Prüfzertifikat nach DIN EN 1627 hat die nachgerüstete Tür aber nicht. Für Versicherungen und die KfW Förderung kann die geprüfte Systemklasse der stärkere Nachweis sein.
Darf ich als Mieter die Zarge meiner Wohnungstür nachrüsten?
Ja. Nach § 554 Absatz 1 BGB hat der Mieter seit Dezember 2020 einen einklagbaren Anspruch auf Erlaubnis für Einbruchschutzmaßnahmen. Der Vermieter darf nur bei Unzumutbarkeit ablehnen. Die Kosten trägt der Mieter. Beim Auszug gilt in der Regel eine Rückbaupflicht nach § 546 BGB, außer der Vermieter verzichtet ausdrücklich.
Darf ich als Wohnungseigentümer die Zarge nachrüsten?
Ja, aber erst nach einem Gestattungsbeschluss der Eigentümerversammlung. Die Wohnungseingangstür samt Zarge ist nach BGH V ZR 212/12 zwingend Gemeinschaftseigentum. § 20 Absatz 2 Nummer 3 WEG privilegiert Einbruchschutz als angemessene Maßnahme, der Anspruch auf Gestattung ist seit der WEG Reform 2020 rechtlich stark. Ein eigenmächtiger Einbau ohne Beschluss führt zu Rückbauansprüchen der Gemeinschaft.
Gibt es Förderung für die Zargennachrüstung?
Ja. KfW Programm 159 Altersgerecht Umbauen ist das zentrale Instrument für Einbruchschutz. Einbruchschutzmaßnahmen sind mit bis zu 16.000 Euro Kreditanteil förderbar. Zusätzlich greift § 35a Absatz 3 EStG mit 20 Prozent der Arbeitskosten, maximal 1.200 Euro im Jahr. Eine Doppelförderung über beide Wege ist ausgeschlossen. Die KfW Mittel müssen vor Beginn der Arbeiten beantragt werden.
Was tun, wenn die Zarge in einem denkmalgeschützten Haus sitzt?
Vor jeder Maßnahme muss die Untere Denkmalschutzbehörde die Erlaubnis erteilen. Bei denkmalprägenden Haustüren ist die Zielklasse maximal RC 2. Typische Auflagen sind Substanzerhalt vor Ersatz, originalgetreuer Nachbau bei unvermeidlichem Tausch, keine außenliegenden Zusatzbeschläge und reversible Verschraubung statt Verklebung. Nebeneingangstüren dürfen in der Regel höher aufgerüstet werden, bis RC 3.
Quellen und weiterführende Literatur
Polizei, Gesetze, Gerichte
Programm Polizeiliche Kriminalprävention (ProPK), K-EINBRUCH, Haus- und Wohnungstür sicher machen https://www.k-einbruch.de/sicherheitstipps/tueren/
ProPK, polizei-beratung.de, Technische Sicherheit Einbruchschutz https://www.polizei-beratung.de/themen-und-tipps/einbruch/technische-sicherheit/
Polizei Berlin LKA, Infoblatt Sicherung Türen https://www.berlin.de/polizei/_assets/aufgaben/praevention/infoblatt_sicherung_tueren.pdf
Polizei Baden-Württemberg, Sicherungstechnik https://praevention.polizei-bw.de/praevention/sicherungstechnik/
LKA Niedersachsen, Geprüfte und zertifizierte einbruchhemmende Türen und Tore https://www.lka.polizei-nds.de/download/74077/Tueren_und_Tore.pdf
LKA Niedersachsen, Nachrüstprodukte Teil 1 sichtbar https://www.lka.polizei-nds.de/download/74072/Nachruestprodukte_Teil_1_-_sichtbar.pdf
PKS 2024 Bundeskriminalamt, Factsheet Wohnungseinbruch https://www.bka.de/DE/AktuelleInformationen/StatistikenLagebilder/PolizeilicheKriminalstatistik/
BMI Österreich, Bundeskriminalamt, Einbruch-Prävention https://www.bundeskriminalamt.at/202/eigentum_schuetzen/start.aspx
Polizei Köln, Kölner Studie 2017 zu Einbrüchen in Wohnungen und Wohnhäusern https://koeln.polizei.nrw/
§ 20 WEG https://www.gesetze-im-internet.de/woeigg/__20.html
§ 21 WEG https://www.gesetze-im-internet.de/woeigg/__21.html
§ 35a EStG https://www.gesetze-im-internet.de/estg/__35a.html
BGH V ZR 212/12 vom 25.10.2013 https://juris.bundesgerichtshof.de
BGH V ZR 244/22 vom 09.02.2024 https://juris.bundesgerichtshof.de
BGH V ZR 140/22 vom 17.03.2023 https://juris.bundesgerichtshof.de
BGH IV ZR 225/10 vom 22.06.2011 https://juris.bundesgerichtshof.de
BFH VI R 24/20 vom 20.04.2023 https://www.bundesfinanzhof.de
BFH VI R 1/13 vom 06.11.2014 https://www.bundesfinanzhof.de
BMF-Schreiben vom 09.11.2016, IV C 8 – S 2296 b/07/10003 :008, BStBl 2016 I S. 1213 https://www.bundesfinanzministerium.de
Normen, Versicherung, Förderung
DIN EN 1627:2021-11, Kurzbeschreibung https://www.baunormenlexikon.de
DIN 18101, DIN 18111-1 bis 18111-5 https://www.dinmedia.de
ÖNORM B 5330-8 https://shop.austrian-standards.at
GDV Musterbedingungen VHB 2022 https://www.gdv.de
GDV Einbruchstatistik 2024 https://www.gdv.de/gdv/medien/medieninformationen/zahl-der-wohnungseinbrueche-bleibt-hoch-versicherungsschaeden-klettern-auf-350-millionen-euro-187280
KfW Programm 159 Altersgerecht Umbauen https://www.kfw.de/inlandsfoerderung/Privatpersonen/Bestandsimmobilie/Foerderprodukte/Altersgerecht-Umbauen-Kredit-(159)/
KfW Einbruchschutz-Übersicht https://www.kfw.de/inlandsfoerderung/Privatpersonen/Bestandsimmobilie/Einbruchschutz/
K-EINBRUCH, Förderung https://www.k-einbruch.de/sicherheitstipps/foerderung/
Hersteller
Hörmann KSI Thermo46 Datenblatt 08/2025 https://www.hoermann.de/mediacenter/download/219010de/DB_KSI_Thermo_46_DE.pdf
Teckentrup dw 62-1 Produktseite https://www.teckentrup.biz/sicherheitstueren/sicherheitstuer-dw-62-rc-2/rc-3/rc-4
Novoferm NovoPorta Premio Montageanleitung https://www.novoferm.de/fileadmin/files/Stahltueren/Montageanleitungen/Montageanleitung_RX5025106.pdf
ABUS SSB400, TAS 112, PR 2700 https://www.abus.com
Simonswerk Bänder- und BAKA-Programm https://www.simonswerk.com
Köhnlein Sanierungsstahlzargen https://www.koehnlein-tueren.de
Schörghuber Sanierungseckzarge https://www.schoerghuber.de
Fischer SXR und SXRL, ETA-07/0121 https://www.fischer.de
Würth SHARK UR und W-UR, ETA-08/0190 https://www.wuerth.de
TOX Fassad, ETA-17/1002 https://www.tox.de
Hilti HIT-HY 270, ETA-13/1036 https://www.hilti.de
Hilti HIT-HY 200 V3, ETA-19/0601, nur Beton https://www.hilti.de
Fachliteratur
Türbeschläge und ihr Biotop - Gernot Guth



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