Schutzbeschlag für die Haustür. Schutzklassen, Kernziehschutz und worauf es ankommt
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Jede Tür hat einen verwundbaren Punkt. Er liegt dort, wo der Schließzylinder von außen sichtbar ist. Ohne Schutz kann ein Einbrecher den Zylinder in Sekunden abbrechen, herausziehen oder aufbohren. Das Schloss wird nutzlos. Die Tür geht auf.
Der Schutzbeschlag ist die Rüstung für genau diesen Punkt. Er deckt Zylinder und Schloss mit gehärtetem Stahl ab. Von außen bleibt nur ein schmaler Schlitz für den Schlüssel sichtbar. Schrauben, Bohrlöcher, Angriffsflächen verschwinden hinter dem Schild. Die Polizei empfiehlt einen Schutzbeschlag ab der Klasse ES 1 mit Zylinderabdeckung an jeder Haus- und Wohnungseingangstür.
Was ein Schutzbeschlag ist

Stell dir den Schutzbeschlag als Schutzhelm für dein Schloss vor. Der Zylinder ist das Gesicht. Ohne Helm liegt es offen. Mit Helm prallt der Angriff ab.
Die DIN 18257 in der aktuellen Fassung von 2022 definiert den Schutzbeschlag als Bauteil, das an einer Tür das Schlossgesperre und den Profilzylinder gegen mechanische Manipulation schützt. Die Norm nennt dabei ausdrücklich den Tourstift des Schlosses als besonders schützenswerte Komponente. Ziel des Schutzes ist es, das Eindringen in den gesicherten Raum zu verhindern. Diese Norm bildet die Grundlage für die Empfehlungen der Polizei und das Herstellerverzeichnis der Kommission Polizeiliche Kriminalprävention.
Ein Schutzbeschlag besteht in der Regel aus drei Hauptteilen.
Das Außenschild sitzt auf der Angriffsseite der Tür. Ab Widerstandsklasse ES 1 enthält es gehärtete Stahleinlagen gegen Aufbohren im Bereich des Profilzylinders. Optional kommt eine Zylinderabdeckung gegen Herausziehen hinzu. Auf der Außenseite befindet sich je nach Garniturtyp ein feststehender Knopf oder ein feststehender Griff.
Das Innenschild trägt den Türdrücker und die verdeckten Befestigungsschrauben. Im Idealfall ist von außen keine einzige Schraube zugänglich.
Die Verbindungselemente verbinden beide Schilde durch das Türblatt hindurch. Die Norm lässt Verschraubungen und Stiftverbindungen zu. Sie müssen so konstruiert sein, dass die Schutzwirkung auch nach Schlagversuchen erhalten bleibt.
Der entscheidende Unterschied zum normalen Türbeschlag liegt in drei Punkten.
Ab ES 1 müssen der Anbohrschutz des Außenschildes und die Verbindungselemente am Außenschild bohrerabweisend geschützt sein, mit einer Oberflächenhärte von mindestens 60 HRC. Er hat verdeckte Verschraubung von der Innenseite. Und er ist nach DIN 18257 geprüft und zertifiziert.
Ein Schutzbeschlag muss dabei nicht klobig oder hässlich aussehen. Moderne Modelle in Edelstahl, Aluminium oder Messing unterscheiden sich optisch kaum von normalen Beschlägen. Die Hersteller bieten eine breite Palette an Schildformen, Materialien und Farben für unterschiedliche Türkonstruktionen und Designvorstellungen.
Schutzbeschlag und Schutzrosette. Der Unterschied
Die Schutzrosette ist der kleine Bruder des Schutzbeschlags. Sie deckt nur den Zylinderbereich ab. Das ist weniger Fläche, weniger Schutz. DIN 18257 stellt klar, dass eine Schutzrosette zusätzliche Maßnahmen wie einen separaten Bohrschutz braucht, um den gleichen Widerstand wie ein vollständiger Schutzbeschlag zu erreichen.
Der entscheidende Nachteil der Schutzrosette gegenüber dem Schild liegt im Bereich dazwischen. Eine Zylinderrosette und eine Drückerrosette decken jeweils nur ihren eigenen Bereich ab. Zwischen den beiden Rosetten liegt das nackte Türblatt. Dort sitzt das Einsteckschloss hinter der Oberfläche. Bei einem Langschild oder Kurzschild liegt über dem gesamten Bereich eine durchgehende Metallplatte. Bei Rosetten fehlt diese Abdeckung. Ein Bohrer trifft dort nur auf das Türblatt selbst, nicht auf das Metall eines Schilds. Wer trotzdem Schutzrosetten einsetzen will, braucht zusätzlich Stahleinlagen im Türblatt, um diesen Bereich gegen Aufbohren zu sichern.
Die Polizei empfiehlt grundsätzlich den vollständigen Schutzbeschlag. Schutzrosetten gelten in der Fachwelt als nicht eigenständig klassifiziert. An sicherheitsempfindlichen Türen sollten sie nicht eingesetzt werden.
Welche Bauformen es gibt
Wechselgarnitur
Außen ein feststehender Knopf, innen ein Drücker. Der feststehende Knopf bewegt die Falle nicht. Die Tür lässt sich von außen deshalb nur mit Schlüssel öffnen. Der Schlüssel betätigt dabei über die Wechselfunktion des Einsteckschlosses gleichzeitig Falle und Riegel. Die meisten Hersteller bieten Schutzbeschläge für Eingangstüren als Wechselgarnitur an.
Drückergarnitur
Beidseitig ein Drücker. Die Tür lässt sich von beiden Seiten ohne Schlüssel öffnen, solange sie nicht abgeschlossen ist. Diese Bauform kommt dort zum Einsatz, wo die Tür von beiden Seiten ohne Schlüssel bedienbar sein muss. An Notausgängen nach DIN EN 179 ist eine Betätigung ohne Schlüssel von innen vorgeschrieben.
Langschild
Ein durchgehendes Schild, das den gesamten Bereich von Drücker bis Zylinderöffnung abdeckt. Die gebräuchliche Entfernung (Abstand Nuss-Mitte zu Zylinder-Mitte) beträgt 72 mm bei Wohnungstüren und 92 mm bei Haustüren. Bei Sondertüren kommen auch Maße wie 78, 80 oder 110 mm vor.
Kurzschild
Eine kürzere Variante des Langschilds. Sie deckt Drücker und Zylinderbereich auf kompakterem Raum ab. Bei vielen Stahl-Feuerschutztüren ist das Kurzschild die übliche Schildform, weil das Türblatt nur zwei Bohrungen hat und nachträgliches Bohren die Zulassung gefährden kann.
Kombi-Schutzbeschlag
Außen ein Langschild mit Knopf für den Schutz. Innen eine Rosettengarnitur mit Drücker für die Optik. Griffwerk und HOPPE bieten dieses Konzept an. HOPPE führt einen Kombi-Schutzbeschlag in ES 1.
Die vier Widerstandsklassen nach DIN 18257
Die Norm teilt Schutzbeschläge in vier Stufen ein. ES steht für einbruchhemmender Schutzbeschlag.
ES 0 bietet keinen Bohrschutz. Diese Klasse wird von der Polizei nicht empfohlen.
ES 1 ist die Mindestempfehlung der kriminalpolizeilichen Beratungsstellen. Der Anbohrschutz des Außenschildes und die Verbindungselemente müssen eine Oberflächenhärte von mindestens 60 HRC aufweisen. Der Beschlag muss 3 Meißelschläge an definierten Positionen überstehen. Die Befestigungselemente müssen einer einseitigen Zugbelastung von 15 Kilonewton standhalten.
ES 2 stellt deutlich höhere Anforderungen als ES 1. Die Bohrprüfzeit steigt von 30 Sekunden auf 3 Minuten, die Befestigungselemente müssen 20 statt 15 Kilonewton standhalten, und der Beschlag muss 6 Meißelschläge überstehen. ES 2 wird in der Praxis ausschließlich mit Zylinderabdeckung angeboten. Versicherungen schreiben diese Klasse bei erhöhten Risiken oft vor.
ES 3 hat Bohrschutz über das gesamte Schild, nicht nur im Zylinderbereich. Der Beschlag muss 12 Meißelschläge und 30 Kilonewton Zugbelastung überstehen. Das ist die höchste Stufe und nur auf Anfrage erhältlich.

An Haus- und Wohnungseingangstüren gilt der Einsatz billiger Beschläge ohne geprüfte Widerstandsklasse in der Fachwelt als grob fahrlässig. Bei einem Einbruch kann die Versicherung die Leistung kürzen oder verweigern, wenn die Tür offensichtlich unzureichend gesichert war. Ein Schutzbeschlag ab ES 1 mit Zylinderabdeckung ist die Mindestabsicherung.
Parallel existiert die europäische Norm DIN EN 1906 mit Sicherheitsklassen von 0 bis 4. Klasse 0 gilt für nicht einbruchhemmende Beschläge. Die Zuordnung zu den ES-Klassen ist versetzt. ES 0 entspricht SK 1. ES 1 entspricht SK 2. ES 2 entspricht SK 3. ES 3 entspricht SK 4. Diese Versetzung kann bei der Bestellung zu Verwechslungen führen. ES 1 ist nicht SK 1.
Was 60 HRC bedeutet
HRC ist ein Härtemaß nach der Rockwell-Skala. Ein Diamantkegel wird mit definierter Kraft in den Stahl gedrückt und die Eindringtiefe gemessen. 60 HRC liegt im Bereich hochwertiger Messerklingen und gehärteten Werkzeugstahls.
Ab 60 HRC wird die spanende Bearbeitung mit herkömmlichen Werkzeugen extrem schwierig. Ein Bohrer verschleißt bei dieser Härte schnell und wird stumpf. Beschichtete Vollhartmetall-Bohrer mit Kühlung könnten bei kontrolliertem Vorschub Material abtragen.
Unter den Bedingungen eines Einbruchsversuchs, also ohne stationäre Maschine, ohne Kühlung und unter Zeitdruck, ist das Durchbohren eines 60-HRC-Schildes deutlich erschwert.
Was der Kernziehschutz wirklich ist
Der Kernziehschutz ist ein zentraler Schutzmechanismus am Schutzbeschlag. Er verhindert, dass der Zylinderkern aus dem Gehäuse gerissen wird.
Der Kern ist der Teil, in den der Schlüssel passt. Bei einem Angriff wird eine selbstschneidende Schraube in den Schlüsselkanal gedreht. Das Gewinde gräbt sich in das Material des Kerns. Dann wird mit Zugkraft der gesamte Kern herausgerissen. Wie ein Korken aus einer Flasche. Danach liegt die Schließnase frei und das Schloss kann ohne Schlüssel betätigt werden.
Der Schutzbeschlag verhindert das durch die Zylinderabdeckung, abgekürzt ZA. Das ist eine im Schild beweglich geführte Stahlplatte vor der Stirnseite des Zylinders. Von außen bleibt nur ein schmaler Schlitz für den Schlüssel sichtbar. Der Schlüssel lässt sich einführen und drehen. Bei ABUS ist eine frei rotierende Spezial-Stahlscheibe als Ziehschutz in den Beschlag integriert.
Das Kürzel ZA in der Bezeichnung eines Schutzbeschlags steht für diese Zylinderabdeckung. Ein Beschlag mit der Bezeichnung ES 1 ZA hat also Widerstandsklasse 1 und eine Zylinderabdeckung. Ohne ZA bleibt der Zylinder stirnseitig offen. Dann schützt der Beschlag nur gegen Abbrechen und Abdrehen, aber nicht gegen Herausziehen.
Die Polizei empfiehlt grundsätzlich Schutzbeschläge mit ZA. Steht im Produktnamen kein ZA, fehlt dieser Schutz.
Anbohrschutz und Abreißschutz. Zwei weitere Mechanismen
Der Anbohrschutz im Schild verhindert, dass ein Bohrer den Profilzylinder erreicht. Gehärtete Stahleinlagen mit mindestens 60 HRC im Außenschild lenken die Bohrerspitze ab oder zerstören sie. Ab ES 1 ist der Anbohrschutz im Bereich des Profilzylinders vorgeschrieben. Ab ES 3 erstreckt er sich über das gesamte Schild.
Der Abreißschutz verhindert, dass der Zylinder mit einer Rohrzange abgedreht wird. Der Profilzylinder hat eine konstruktive Schwachstelle. Sie liegt dort, wo Kupplung, Sperrnase und Schraubloch den Profilkörper unterbrechen. An dieser Stelle ist der Querschnitt am dünnsten. Ragt der Zylinder über den Beschlag hinaus, kann er an genau dieser Stelle gegriffen und abgebrochen werden.
DIN 18257 gibt als Grenze einen maximalen Zylinderüberstand von 3 mm über die Schildoberfläche an. In der Praxis empfehlen Fachleute einen noch geringeren Überstand. Schon ab 2 mm wird das Abbrechen erheblich erleichtert. Der Zylinder sollte nach Möglichkeit bündig mit dem Beschlag abschließen.
Der Schutzbeschlag verhindert durch seine massive Bauweise und die verdeckte Verschraubung das Abreißen des gesamten Beschlags.
Welche Materialien zum Einsatz kommen
Aluminium ist eines der gängigsten Materialien für Schutzbeschläge. Leicht, korrosionsbeständig und günstig. Durch Eloxierung entsteht eine harte Schutzschicht. HOPPE bezeichnet die Standardfarbe als F1. HOPPE bietet Aluminium-Beschläge in allen Widerstandsklassen von ES 0 bis ES 3 an. Bei ES 3 sitzt unter dem Aluminium-Deckschild eine 13 mm dicke gehärtete Stahlplatte.
Edelstahl bietet hohe Widerstandsfähigkeit gegen Kratzer, Abrieb und Witterung. Eine unsichtbare Passivschicht aus Chromoxid macht Oberflächenbehandlung überflüssig. Edelstahl ist ein bevorzugtes Material für Außentüren und kostet etwa doppelt so viel wie Aluminium.
Messing bietet eine warme, klassische Optik. Es wird vor allem in historischen Gebäuden und bei designorientierten Einbauten verwendet. Messing kann anlaufen und braucht dann eine Lackierung.
Das sichtbare Material bestimmt nicht die Schutzklasse. Die Schutzwirkung kommt von der Unterkonstruktion. Hersteller wie FSB und HOPPE fertigen ihre Schutzbeschlag-Schilder in sogenannter Schichtbauweise. Unter dem Deckschild aus Aluminium, Edelstahl oder Messing sitzt eine Stahlplatte mit den gehärteten Einlagen. Das Deckschild ist Optik. Die Unterkonstruktion ist Sicherheit.
Welche Hersteller polizeilich zertifiziert sind
Das Bayerische Landeskriminalamt gibt im Auftrag der Kommission Polizeiliche Kriminalprävention das offizielle Herstellerverzeichnis heraus. Nur Hersteller mit Prüfzeugnis und Zertifizierung durch eine akkreditierte Stelle nach DIN EN ISO/IEC 17065 werden aufgenommen. Die tagesaktuelle Liste ist unter k-einbruch.de/herstellersuche abrufbar.
Im Verzeichnis stehen über 25 Hersteller. HOPPE, ECO Schulte, HAFI, Süd-Metall und Glutz decken das gesamte Spektrum von ES 1 bis ES 3 ab. ABUS, Würth, HEWI, HÖRMANN und dormakaba bieten ES 1. ASSA ABLOY mit der Marke IKON liefert ES 1 bis ES 3. FSB bietet ES 1 und die europäische SK 4. BKS und CES sind mit einzelnen Klassen vertreten.
Die Zertifizierung umfasst eine Erstprüfung im Labor, einen Werksbesuch, laufende unangekündigte Fremdüberwachung und regelmäßige Kontrollprüfungen aus der laufenden Produktion.
Fünf akkreditierte Stellen führen diese Prüfungen durch. DIN CERTCO in Berlin, das Materialprüfungsamt NRW in Dortmund, PIV CERT in Velbert, VdS Schadenverhütung in Köln und das ift Rosenheim.
Was ein Schutzbeschlag kostet
ES 0 in Aluminium beginnt bei einfachen Modellen ab ca. 23 Euro und liegt bei Markenherstellern bei über 40 Euro.
ES 1 in Aluminium liegt bei 30 bis 70 Euro. Der ABUS HLZS814 mit Zylinderabdeckung kostet je nach Variante ab ca. 62 bis 90 Euro. In Edelstahl steigt der Preis auf 100 bis 140 Euro.
ES 2 liegt bei 80 bis 180 Euro je nach Hersteller und Material.
ES 3 beginnt bei etwa 100 Euro und reicht bis über 250 Euro.
Feuerschutz-Schutzbeschläge nach DIN 18273 kosten 50 bis 100 Prozent mehr als Standardmodelle. ABUS Feuerschutzbeschläge ab 93 Euro. HOPPE Feuerschutzbeschläge ab 135 Euro.
Welche Maße beim Kauf entscheidend sind
Entfernung. Der Abstand von der Mitte der Drückernuss zur Mitte der Zylinderaussparung. 72 mm bei Wohnungstüren. 92 mm bei Haustüren. Dieses Maß muss mit dem Einsteckschloss übereinstimmen.
Bei Profiltüren aus Aluminium, Stahl oder Kunststoff beträgt die Entfernung immer 92 mm. Diese Türen verwenden Rohrrahmenschlösser mit kleineren Dornmaßen als Holztüren. Vor dem Kauf prüfen, ob eine Holztür oder eine Profiltür vorliegt.
Vierkant. 8 mm bei Wohnungstüren. 9 mm bei Brandschutztüren. Schutzbeschläge für Haustüren verwenden häufig einen 10 mm Vierkant, bei normalen Haustürbeschlägen kommen auch 8 oder 9 mm vor.
Türstärke. Die Dicke des Türblatts bestimmt die Länge der Verbindungsschrauben. Vor dem Kauf exakt messen.
Zylinderüberstand. Der Zylinder sollte laut DIN 18257 nicht mehr als 3 mm über die Schildoberfläche hinausragen. Bei einem Schutzbeschlag ohne ZA sollte der Zylinder möglichst bündig abschließen. Ein überstehender Zylinder bietet Angriffsfläche für Rohrzangen und Ziehwerkzeuge.
DIN-Richtung. Vor die geschlossene Tür stellen und auf die Seite schauen, auf der die Bänder sichtbar sind. Bänder links bedeutet DIN links. Viele moderne Schutzbeschläge sind aber universell montierbar.

Warum der Schutzbeschlag allein nicht reicht
Eine Tür ist so sicher wie ihr schwächstes Bauteil. Der Schutzbeschlag schützt Zylinder und Schloss. Doch über 56 Prozent aller Wohnungseinbrüche erfolgen laut Polizeilicher Kriminalstatistik durch Aufhebeln. An dieser Stelle entscheidet das Schließblech.
Die Polizei betont auf k-einbruch.de, dass alle Komponenten aufeinander abgestimmt sein müssen. Schloss, Schließblech, Beschlag, Zylinder und Bänder. Ein Schutzbeschlag ES 2 an einer Tür mit einem Standard-Schließblech aus 1 mm Stahl erzeugt ein trügerisches Sicherheitsgefühl.
Die Zuordnung nach DIN EN 1627 macht die Abstimmung deutlich. Eine Tür der Widerstandsklasse RC 2 braucht mindestens ES 1. RC 3 braucht mindestens ES 2. RC 4 braucht mindestens ES 3. Dazu kommen jeweils passende Schlösser, Zylinder und Schließbleche.

Feuerschutztüren. Eigene Regeln, eigene Beschläge
An Feuer- und Rauchschutztüren dürfen nur Beschläge nach DIN 18273 montiert werden. Wird ein normaler Schutzbeschlag an einer Feuerschutztür montiert, verliert das gesamte Türelement seine Zulassung. Versicherungsschutz und bauaufsichtliche Genehmigung entfallen.
DIN 18273 fordert einen 9 mm Vierkant statt 8 mm und eine Dauerfunktionsprüfung von 200.000 Öffnungs- und Schließzyklen. Feuerschutzbeschläge sind deshalb teurer als Standardmodelle.
Der Hauptgrund für den Mehrpreis liegt im Material. Die Einheits-Temperaturkurve nach EN 13501-2 erreicht nach 30 Minuten bereits 821 °C. Aluminium schmilzt bei 660 °C.
Zinkdruckguss bei etwa 400 °C. Ein normaler Beschlag mit Aluminium-Unterkonstruktion würde in einem Brand innerhalb von Minuten versagen. Bei Feuerschutzbeschlägen muss die Unterkonstruktion deshalb aus Stahl bestehen. Stahl schmilzt erst bei rund 1.500 °C. Für das Drückermaterial selbst gilt bei E-90-Elementen ein Schmelzpunkt von über 1.000 °C. Bei E-30-Elementen genügen mindestens 840 °C.
Ein weiterer Punkt wird in der Praxis oft übersehen. Ein Feuerschutzbeschlag mit DIN-18273-Prüfung bedeutet nicht automatisch, dass er an jeder Feuerschutztür eingebaut werden darf. Der Türenhersteller lässt bei der Zulassung eine bestimmte Produktfamilie von Beschlägen für sein Element absegnen. Die Prüfstelle testet das schwächste Produkt dieser Familie. Nur Beschläge aus dieser freigegebenen Familie dürfen montiert werden. Wer eigenständig einen Feuerschutzbeschlag tauscht, sollte vorher beim Türenhersteller prüfen, welche Modelle für das jeweilige Türelement zugelassen sind.
Recht für Mieter
Mieter dürfen den Türbeschlag und das Schloss bei gleichem Bohrbild austauschen. Das fällt unter den normalen Mietgebrauch. Für bauliche Veränderungen mit neuen Bohrungen gibt § 554 BGB seit dem 1. Dezember 2020 dem Mieter einen Anspruch auf Erlaubnis des Vermieters für Einbruchschutz-Maßnahmen. Eine zum Nachteil des Mieters abweichende Vereinbarung ist laut § 554 Abs. 2 unwirksam.
Die Kosten trägt der Mieter. Bei Auszug besteht Rückbaupflicht. Originalbeschlag aufbewahren.
Fünf häufige Fehler bei der Beschlagwahl
Der Zylinder steht mehr als 3 mm über den Beschlag hinaus. Dann kann er mit einer Rohrzange gegriffen und abgebrochen werden.
Die Schutzklassen ES und SK werden verwechselt. ES 1 ist nicht SK 1, sondern SK 2. Diese Versetzung kann zu Fehlbestellungen führen.
Die Original-Befestigungsschrauben werden gegen andere Schrauben ausgetauscht. Die Spezialschrauben sind Teil der geprüften Konstruktion. Ein Austausch kann die Schutzwirkung aufheben.
Die Tür wird nur ins Schloss fallen gelassen statt abgeschlossen. Der feststehende Außenknopf verleitet dazu. Aber ein Schutzbeschlag wirkt nur bei verriegelter Tür. Ein selbstverriegelndes Einsteckschloss löst dieses Problem. Es schließt den Riegel über eine mechanische Ablaufsteuerung automatisch beim Zufallen der Tür. Das Absperren kann dann nicht mehr vergessen werden.
An einer Feuerschutztür wird ein normaler Schutzbeschlag montiert. Die gesamte Türzulassung erlischt sofort.
Häufige Fragen zum Schutzbeschlag
Was ist ein Schutzbeschlag?
Ein Schutzbeschlag ist ein nach DIN 18257 geprüfter Türbeschlag. Ab der Klasse ES 1 enthält er gehärtete Stahleinlagen. Er schützt Profilzylinder und Einsteckschloss gegen Anbohren, Herausziehen und Abbrechen.
Was bedeutet ES 1 ZA?
ES 1 steht für die Widerstandsklasse einbruchhemmender Schutzbeschlag Stufe 1. ZA steht für Zylinderabdeckung. Der Beschlag hat also Bohrschutz im Zylinderbereich und eine Abdeckung gegen das Herausziehen des Zylinders.
Was empfiehlt die Polizei?
Die kriminalpolizeilichen Beratungsstellen empfehlen mindestens ES 1 mit Zylinderabdeckung. Die aktuelle Empfehlungsliste steht unter k-einbruch.de/herstellersuche.
Was kostet ein Schutzbeschlag mit Einbau?
Ein ES-1-Beschlag in Aluminium kostet 30 bis 70 Euro. Der ABUS HLZS814 mit Zylinderabdeckung ab ca. 62 Euro. In Edelstahl ab ca. 100 Euro. Für Material und fachgerechte Montage zusammen ca. 129 Euro bei einem Fachbetrieb.
Darf ein Mieter den Schutzbeschlag wechseln?
Ja, solange keine zusätzlichen Bohrungen nötig sind. Die Kosten trägt der Mieter. Bei Auszug besteht Rückbaupflicht.
Was ist der Unterschied zwischen Schutzbeschlag und Schutzrosette?
Der Schutzbeschlag deckt den gesamten Schlossbereich mit einer durchgehenden Metallplatte ab. Die Schutzrosette schützt nur den Zylinder punktuell. Der Bereich zwischen Zylinderrosette und Drückerrosette bleibt ohne Abdeckung. Für Haus- und Wohnungseingangstüren empfiehlt die Polizei den vollständigen Schutzbeschlag.
Quellen und weiterführende Literatur
Normen und Gesetzestexte
Polizei und Behörden
Fachportale und Wissensdatenbanken
Hersteller
Fachhändler und Fachbetriebe



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